Kinder ab 8. Juni wieder in Kitas: Eingeschränkter Betrieb
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Joachim Stamp (FDP), Familienminister von NRW, gestikuliert. Foto: Federico Gambarini/dpa
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Düsseldorf (dpa/lnw) - Ab dem 8. Juni sollen alle Kinder in NRW wieder in ihre Kitas und die Tagespflege zurückkehren können - in einem eingeschränkten Regelbetrieb. Das kündigte Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch in Düsseldorf an. Wegen der Corona-Pandemie werde es zahlreiche Schutzvorkehrungen, qualitative und quantitative Einschränkungen geben. So sollen die Jungen und Mädchen nur in einem reduzierten Umfang betreut werden - 15 bis 35 Stunde pro Woche.

Die vor Corona maximale Betreuungszeit von 45 Stunden werde vorerst grundsätzlich nicht angeboten, sagte Stamp. Das Betretungsverbot für Kitas und Kindertagespflege soll zum 8. Juni aufgehoben werde. Zudem stelle man die Notbetreuung an dem Datum ein.

Grundsätzlich werden den Planungen zufolge nur feste Gruppen erlaubt - keine offenen Konzepte. Die Gruppen müssten weiterhin räumlich voneinander getrennt sein. Hygienekonzepte gelten auch weiterhin. Es gebe noch keine Entwarnung. «Wir sind nicht aus der Pandemie.»

Aber: «Jeder Tag ohne frühkindliche Bildung nimmt unseren Kindern Chancen», betonte der Familienminister. Experten warnten, dass es mit dem Lockdown für einige Kinder zu erheblichen entwicklungspsychologischen Störungen und auch zu ernsthafter Kindeswohlgefährdung kommen könne.

In einem nächsten Schritt sollen die Kitas allen Vorschulkindern am 28. Mai offenstehen, bevor dann ab 8. Juni im reduzierten Umfang wieder alle Jungen und Mädchen zurückkehren können. «Nicht alles wird auf Anhieb reibungslos verlaufen.» Zuvor hatte Stamp einen eingeschränkten Regelbetrieb noch für September in Aussicht gestellt - dies habe sich unter anderem durch die aktuelle Entwicklung der Fallzahlen geändert. Ob auch die Elternbeiträge für Juni ausgesetzt werden, sei noch nicht entschieden.

Kitas, die sich aufgrund der personellen und räumlichen Kapazitäten zu einem höheren Stundenangebot in der Lage sehen, sollen das in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden ermöglichen. Können Einrichtungen den angestrebten Umfang hingegen nicht erbringen, dürfen sie zur Not auch «nach unten abweichen», schilderte Stamp. Nach früheren Angaben fehlen rund 20 Prozent der Fachkräfte, weil sie etwa altersbedingt bisher als Angehörige der Corona-Risikogruppe eingestuft wurden. Hier habe sich aber die Bewertung des Robert Koch-Instituts kürzlich geändert, so dass der Einsatz von Erziehern über 60 Jahre nicht mehr pauschal ausgeschlossen werde.

Im Gegenteil: Er gehe davon aus, dass alle Erzieherinnen und Erzieher «normal zur Arbeit kommen», sagte Stamp. Wer sich krank fühle oder sich zur Risikogruppe zähle, müsse eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt beibringen. Man habe die Belange der Beschäftigten «fest im Blick». Das gelte auch für die Kita-Träger als Arbeitgeber der Erzieher, so der FDP-Politiker.

Der eingeschränkte Regelbetrieb ist zunächst bis zum 31. August vorgesehen. Mitte August werde man auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse über die nächsten Schritte entscheiden. Das Land will in Düsseldorfer Kitas mehrere tausend Kinder und Fachkräfte testen, um neue Kenntnisse zum Infektionsgeschehen zu erhalten. Die Landeshauptstadt werde Modellkommune für das wissenschaftliche Monitoring werden. In einem weiteren Monitoring werden die Schutzmaßnahmen arbeitsmedizinisch untersucht - um zu sehen, wie die Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten und Kinder greifen.

Als Starthilfe sollen die Jugendämter zwei Millionen FFP-2-Masken und drei Millionen OP-Masken für den Arbeitsschutz der Erzieher erhalten. Zudem soll es Stamp zufolge einen finanziellen Zuschuss an die Träger geben - zum Ausgleich für die außergewöhnlichen zusätzlichen Belastungen.

Der Städtetag NRW begrüßte die baldige Rückkehr aller Kita-Kinder. Mit Abstrichen bei Zeitumfang und Qualität der Betreuung sei aber zu rechnen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, den Infektionsschutz der Beschäftigten an oberste Stelle zu setzen. Der Verband Bildung und Erziehung sprach von einem «herausfordernden Balanceakt» und äußerte wie auch die GEW Sorgen mit Blick auf die angespannte Personallage. Die SPD-Landtagsfraktion verlangte eine deutliche Ausweitung der Testungen in den Kitas - eine Modellkommune reiche nicht aus.

Seit Ausbruch der Pandemie durften in NRW nur Jungen und Mädchen mit Elternteilen aus systemrelevanten Berufen in die Kitas kommen. Vor einer Woche folgten weitere Kinder. Für den Großteil sind die Türen aber noch verschlossen.

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