Betrügerbande wird selbst reingelegt

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat in Isselhorst eine mutmaßliche Betrügerbande festgenommen. Die vier Verdächtigen stehen seit Dezember vor Gericht

Der Kopf der Gruppe, die Wohnmobile anmietete und mit gefälschten Papieren weiterverkaufte, soll ein Ehepaar aus Essen-Katernberg (27 und 31) sein. Als Mittäter gelten ein Montenegriner ohne Wohnsitz in Deutschland sowie ein Gelsenkirchener (beide 36).

Verdacht erhärtet sich

Wie das Quartett aufflog und geschnappt wurde, war jetzt das Hauptthema am mittlerweile siebten Prozesstag. Ein Paderborner Kriminalbeamter berichtete, wie ein Wohnmobileigentümer aus Lichtenau Ende Mai dort Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Nach der Auswertung von Funkzellendaten und Rückmeldungen zu einem polizeiintern veröffentlichten Passfoto des „Abholers“ erhärtete sich der Verdacht gegen eine Betrüger-Bande.

Ein Paar aus Bielefeld, dessen Verwandter ebenfalls ein Wohnmobil eingebüßt hatte, habe dann „Drive in die Sache“ gebracht: Sie hätten versucht, die Betrüger ihrerseits hereinzulegen. Die 44-jährige Frau schilderte, wie sie auf Ebay-Kleinanzeigen etwa Ende Mai eine Vermietungsanzeige geschaltet hatte, ohne dass es tatsächlich ein Fahrzeug gab. Etwa eine Woche später habe sich tatsächlich ein Interessent gemeldet. Mit ähnlicher Hintergrundgeschichte wie zuvor, mit frisch eröffnetem Ebay-Konto und jeder Menge Rechtschreibfehlern in der Kontakt-Meldung. „Da hab ich gedacht: Das sind die, 100-prozentig“, sagte die resolut wirkende Frau.

Enge Zusammenarbeit mit der Polizei

Dann habe man in enger Abstimmung mit der Polizei eine Vermietung angebahnt und die Übergabe für den 7. Juni an einem unverfänglichen Ort vereinbart: in Isselhorst. Dort wartete dann an jenem Sonntagnachmittag nicht nur ein präpariertes Wohnmobil, sondern auch das Spezialeinsatzkommando der Bielefelder Polizei.

Bereits bei der Anfahrt auf der B 61 habe ein Observationsteam den Audi A6 mit fremdem Kennzeichen entdeckt, schilderte die Einsatzleiterin. Auf dem Parkplatz des Aldi sei dann der Montenegriner vom Auto weggegangen, in Richtung des geplanten Übergabeplatzes am nahe gelegenen Edeka – und sei dort festgenommen worden. Der zwischenzeitlich weggefahrene Audi habe dann etwa 500 Meter weiter am Schenkenhof gewartet. Dort griff die Polizei zu. „Es war nötig, die Scheibe zu entglasen“, sagte die Einsatzleiterin. Erst dann hätten die Polizeikräfte erkennen können, dass außer dem Mann und der Frau im Fond noch ein weiterer Mann saß, bisher verdeckt durch abgedunkelte Scheiben. Für den nächsten Prozesstag im März haben die Verteidiger der Essener angekündigt, das Ehepaar wolle sich zu den Vorwürfen äußern.

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