Bullenangriffe schwer verletzt überlebt
Begegnung im Schockraum des Gütersloher St.-Elisabeth-Hospitals: (v. l.) Dr. Dieter Mann, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, mit den beiden Junglandwirten Sebastian Wolharn und Pepe Ohliger. Die Patienten wurden unabhängig voneinander von einem Bullen angegriffen und dabei schwer verletzt.

Bei Pepe Ohliger aus Herzebrock verhinderte sein Chef durch schnelles Eingreifen Schlimmeres. Beide Junglandwirte wurden im St.-Elisabeth-Hospital in Gütersloh behandelt. „Es kam mir vor wie Stunden, dabei waren es wahrscheinlich nur wenige Minuten“, erinnert sich Sebastian Wolharn an den Nachmittag, an dem er eigentlich nur kurz seinem Vater helfen wollte, die Kühe in den Stall zu treiben.

Tonnenschweres Tier schleudert sein Opfer hin und her

Der 21-Jährige wartete am Tor, als er Schreie hörte: Der Bulle, der als natürlicher Besamer mit den Kühen mitläuft, hatte seinen Vater angegriffen. Direkt eilte Wolharn zur Hilfe – und wurde zur Zielscheibe des Bullen. Mit dem Kopf schleuderte das rund eine Tonne schwere Tier sein Opfer beliebig hin und her. „Ich konnte mich gerade noch zum Zaun schleppen und bin dann dort zusammengebrochen“, schildert Wolharn die dramatischen Szenen.

 „Zum Glück kam in dem Moment ein Bekannter vorbei, der mit meinem Vater den Bullen unter Kontrolle bekam.“ Derweil hatte seine Mutter bereits den Notruf getätigt, wenige Minuten später waren Notarzt und Rettungsdienst vor Ort.

„Ich war ein Spielzeug für ihn“

Ähnliche Schrecksekunden stand Pepe Ohliger aus Herzebrock einige Tage zuvor bei der Arbeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Varensell durch: „Der Bulle hat mich in eine Liegebox geschoben und mich mit seinem Kopf verprügelt, ich war ein Spielzeug für ihn“, berichtet der 19-Jährige. Der Chef hörte die Schreie seines Lehrlings und rettete ihm in letzter Sekunde das Leben.

Danach ging alles ganz schnell: Mit dem Notarzt wurde er ins St.-Elisabeth-Hospital gebracht. Im Schockraum stellte ein interdisziplinäres Team von Spezialisten eine komplexe Beckenfraktur mit einer starken inneren Blutung fest. „Es waren der hintere sowie der vordere Beckenring gebrochen, wodurch es zu Einblutungen kam“, erklärt sein behandelnder Arzt, Dr. Dieter Mann, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie.

Nach 16 Tagen kann Junglandwirt das Krankenhaus verlassen

Der Bluterguss am Rücken musste operativ entfernt werden. Ohliger bekam mehrere Blutkonserven und wurde einige Tage auf der Intensivstation versorgt. 16 Tage nach seiner notfallmäßigen Einlieferung konnte er das Krankenhaus auf Gehstützen wieder verlassen.

Auch Sebastian Wolharn wurde als sogenannter Polytrauma-Patient im Schockraum des St.-Elisabeth-Hospitals erstversorgt. „Es waren viele Ärzte um einem herum. Alles ging sehr schnell“, schildert er. Fachübergreifend wurden im zertifizierten regionalen Traumazentrum innerhalb kürzester Zeit eine differenzierte Diagnose gestellt und erste Maßnahmen eingeleitet. „Hier zählen jede Sekunde und jeder Handgriff“, weiß Dr. Dieter Mann, Leiter des Schockraum-Teams.

„Mir drohte eine Querschnittslähmung“

„Mir drohte eine Querschnittslähmung und ich durfte mich nicht mehr bewegen“, berichtet Wolharn weiter. „Wir haben die Wirbelkörperfraktion des ersten Lendenwirbels mit einem Schraubenstabsystem stabilisiert“, erläutert der Chefarzt Dr. Dieter Mann die Schwere der Verletzung.

Bislang verlaufe der Heilungsprozess vorbildlich, der junge motivierte Landwirt sei bereits wieder mobil und habe sich eigene Ziele gesetzt: „Bis zur Maisernte Ende August will ich wieder fit sein.“

Beim Betreten einer Kuhweide besteht Lebensgefahr

Der Vorfall hat den beiden jungen Landwirten gezeigt, wie viel Respekt man vor so einem starken Tier haben muss. Sie appellieren daher eindringlich: „Niemand ohne Befugnis sollte eine Kuhweide betreten. Es besteht Lebensgefahr.“ Denn so viel Glück wie sie, den Angriff eines Bullen zu überleben, hat nicht jeder.

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