Coole Kids unterwegs auf poetischen Pfaden
Zarte Elfen blättern in Poesiealben. Szene aus dem Stück „Die geheime Gasse“ des Kindertheaters „Sternschnuppe“ der Gütersloher Paul-Gerhardt-Schule.

 Das jedenfalls hat das Kindertheater „Sternschnuppe“ der Paul-Gerhardt-Schule mit seinem jüngsten Stück „Die geheime Gasse – coole Kids auf poetischen Pfaden“ im Theater Gütersloh unter Beweis gestellt. Mit tobendem Applaus wurde dort am Donnerstag Premiere gefeiert. Gerechter Lohn für eine überaus ideenreich umgesetzte Inszenierung, für die das wunderbar eingespielte Lehrerinnen-Team Nadine Ellwart, Karin Heinze, Hanna Kühlmann, Wilma Lemke, Ranghild Raumann und Elke Schulte-Fründt verantwortlich zeichnet. Nicht zu vergessen: Hausmeister Karl-Heinz Drücker, der sich als Knecht Ruprecht zwar etwas in der Jahreszeit vertan hatte, aber mit seinem „Von drauß‘ vom Walde komm ich her“ eine der vielen Gedichtzeilen nannte, die dem jungen Publikum durchaus vertraut waren. Hut ab vor dem Mut der Macher, zusammen mit den Kindern ein Stück zu entwickeln, das sich an berühmten – und bei Schülern manchmal berüchtigten – Reimen entlanghangelt.

Semih Becirovic, Gizem Koc, Saskia Merfeld, Lilli Neuhaus und Patrick Schwarze sind die fünf Skater-Kids, die in die „geheime Gasse“ geraten und dort seltsamen Wesen begegnen. Dort hören sie lockere Abzählverse wie „Eene, meene mu und aus bist du“ ebenso wie wohlfeile Zeilen aus Goethes Osterspaziergang. Da blitzt und donnert’s zu Guggenmoos’ „Gewitter“. Da wird gestritten und getobt zu Hans Hableys „Schinpfonade“. Zwar mault die Skater-Combo, dass das Gassen-Kino weder 3-D-Brillen noch Popcorn bereit hält. Von Fontanes Birnbaum-Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, die sich dort als ausdrucksstarkes Schattentheater entfaltet, sind sie aber genauso angetan wie das staunende Publikum.

Schaurig-schön ist der Aufmarsch klappernder Skelette beim „Zipferlake“. Kein Geringerer als Wunderland-Alice-Erfinder Lewis Carroll hat das Gruselmonster erdacht – mit dem für ihn typischen Sinn für Unsinn: „Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr, vorm Fliegelflagel sieh dich vor.“ Reizend, die in Poesiealben blätternden Elfen. Liebenswert die in „Memories“ schwelgenden Schmusekatzen. Witzig die frei nach Ringelnatz watschelnden Pinguine: „Alte Weiber, Professoren, Riesenvolk – in Schnee und Eis geboren.“

 Am Ende ist es Wilhelm Busch, der den fünf Skater-Kids bei einem Quiz die Rückkehr in die eigene Welt ermöglicht. Weil sie – „Ritze, ratze voller Tücke“ – den dritten Streich von Max und Moritz erkennen, kehren sie reich an Erfahrung in die Realität zurück. Und die Moral von der Geschicht? Ganz ohne Poesie geht es nicht.

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