Johannespassion des Musikvereins
Bild: Kreyer
Bass Martin Berner gab bei der Aufführung von Bachs Johannespassion durch den Städtischen Musikverein einen überzeugenden Pilatus.
Bild: Kreyer

Dem Chor des Städtischen Musikvereins,  der Nordwestdeutschen Philharmonie und den sechs Gesangssolisten gelang eine rundum überzeugende Aufführung. Es ist eine überwältigende Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, die von Bach in eine ebenso dramatische wie innige Musik gekleidet worden ist. Gleich mit den ersten Klängen berührte diese Musik, zog die Zuhörer in die Leidensgeschichte hinein und nahm mit ihrer eindringlichen Stimmung gefangen. Spannungsgeladen und expressiv war die Gestaltung der 30 Musiker, die mit wunderbaren Holzbläsern, zärtlich traurigem Cello, feinem Basso continuo und pointiertem Orgelklang glänzte.

Bloemeke bewies ein sehr gutes Gespür für die dramatischen Gewichtungen der Passion und begegnete ihr mit reich differenzierter Dynamik. In einem harmonischen Zusammenspiel vermochten Chor und Orchester sowohl die weichen und ruhigen Elemente der Partitur zur Geltung zu bringen, als auch dramatisch aufzutrumpfen. Eine enorme emotionale Nähe entstand.

Der Chor begeisterte. Intonation und Wortverständlichkeit waren beachtlich. Für einen besonderen Effekt sorgte Bloemeke mit dem choreigenen Solistenquartett, das selten in der Johannespassion eingesetzt wird. Vortrefflich gelangen den Sängern die als vertrackt geltenden „Wohin?“-Einwürfe in der „Eilt“-Arie. Auch das Stimmengewirr in „Weg, weg mit dem, kreuzige ihn!“ hatte Präzision. Die Sängerleistungen waren zum großen Teil vorzüglich.

In der tragenden Rollte hatte Bloemeke mit Marcus Ullmann einen passenden Evangelisten zur Seite: Vortrefflich klar führte er mühelos mit schlankem Tenor, ungemein einfühlsam zwischen affektgeladenen und erzählenden Texten. Matthias Nenner verkörperte Jesus als ruhenden Pol mit herzhaft vollem Bass. Etwas angestrengt wirkte Tenor Alexander Efanov, wohingegen Martin Berner (Bass) ein überzeugender Pilatus war.

Unübertroffen an Ausdrucksintensität waren in salbungsvoller Süße Catalina Bertucci (Sopran) in der Arie „Zerfliesse mein Herz“ und Ulrike Mayer (Alt), die der Arie „Es ist vollbracht!“ einen unbeschreiblichen Moment der Würde und Pietät verlieh. Diese Johannespassion war mit ihren bildhaft dramatischen Wirkungen und ihrem packenden Abschlusschoral eine gelungene Einstimmung auf die Passionszeit.

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