Das Wendland-Haus ist verkauft
Foto: Becker
Verkauft: Das geschichtsträchtige Wendland-Haus am Alten Markt hat den Besitzer gewechselt. 1820 hatte Eduard Wilhelm Wendland aus Westpreußen, der erste von der preußischen Obrigkeit eingesetzte Bürgermeister Harsewinkels, das Gebäude errichtet.
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Das war der erste von der preußischen Obrigkeit eingesetzte Bürgermeister Harsewinkels. Sie habe das markante Gebäude bereits vor einigen Wochen veräußert, sagte Gabriele Wendland. 

Verkauf ist Stadtgespräch

Inzwischen ist der Verkauf Stadtgespräch. Als Mieter sind das Modegeschäft Collins, ein Rechtsanwaltsbüro und die Deutsche Bank darin untergebracht.

Zwei junge Geschäftspartner haben Großes vor

Käufer sind zwei junge Geschäftspartner, die im Bereich Vermietung und Verpachtung im ganzen Kreis Gütersloh tätig sind: ein 25-jähriger und ein 24-jähriger Harsewinkeler, die ihre Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchten. Der 25-Jährige, der hauptberuflich als Einkäufer in einem Großhandelsbetrieb angestellt ist, stemmt das Investment zusammen mit seinem Geschäftspartner. Die beiden Investoren haben Großes vor: Angrenzend an das Wendland-Haus möchten sie die Baulücke in Richtung Gütersloher Straße schließen. Das Nachbargrundstück haben sie zusammen mit dem Wendlandhaus ebenfalls von Familie Wendland erworben. 

Neubau auf Nachbargrundstück geplant

Kürzlich hatten sie detaillierte Planungen vorgestellt, die vor drei Wochen auch im Planungs- und Bauausschuss erörtert wurden. Danach soll ein angrenzend ebenfalls dreigeschossiger Baukörper mit Dachgeschoss entstehen, der von der Innenstadt-Seite ebenso wie vom rückwärtigen Parkplatz zugänglich ist. 

Büroräume im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss ist ein Geschäftslokal geplant. „Zunächst hatten wir ein Bistro angedacht, mittlerweile planen wir dort aber Büroräume, sollten wir dafür Mieter finden“, so der 25-jährige Geschäftsmann im Gespräch mit dieser Zeitung. In den oberen Stockwerken sollen fünf Stadtwohnungen mit Loggia oder Terrasse entstehen. Der Bauausschuss stimmte einigen Abweichungen vom Bebauungsplan zu. Das Bauamt des Kreises müsse die Pläne jetzt noch genehmigen, sagte der Investor. 

Im Frühjahr 2021 soll mit den Arbeiten für den Neubau gestartet werden

Wenn alles so läuft, wie es sich die Geschäftspartner vorstellen, dann soll im Frühjahr 2021 mit den Arbeiten für den Neubau gestartet werden. Im Frühjahr 2022 soll es fertig sein. Geplant wird das neue Gebäude im Zentrum von der Harsewinkeler Architektin Ingrid Stappen-Gödde. Zu den Hintergründen des Verkaufs wollte sich die bisherige Besitzerin, Gabriele Wendland, auf Nachfrage nicht weiter äußern. Sie erklärte nur, dass sie selbst vor einigen Jahren mit ihrem 2011 verstorbenen Mann Matthias Pläne gehabt habe, die Baulücke in der Harsewinkeler Innenstadt zu schließen. Daraus sei durch den plötzlichen Tod ihres Partners dann aber nichts geworden, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung sagte.

Zum Wendland-Haus

Das Wendland-Haus hat in den mehr als 200 Jahren eine wechselvolle Geschichte erlebt. Leutnant Eduard Wilhelm Wendland ließ es in jener Zeit errichten, als Napoleon die Dinge in Preußen bestimmte. Harsewinkel war von 1806 bis 1814 zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Berg gehörig, schreibt die Stadt Harsewinkel auf ihrer Internetseite. Harsewinkel hatte in dieser preußischen Zeit eine eigene Bürgermeisterei, zu der Harsewinkel, Marienfeld und seit 1820 auch Greffen gehörten. 

Das stattliche Bürgerhaus im klassizistischen Stil, mitten im Zentrum gelegen, sei das erste steinerne Gebäude nach der alten St.-Lucia-Kirche gewesen, heißt es dort weiter. Bis heute prägt das Wendland-Haus das Gesicht des Alten Markts. Erster Bürgermeister der Stadt war 1815 zwar Anton Linzen, der in Marienfeld wohnte. Nach dem Wiener Kongreß kam 1816 Harsewinkel dann endgültig zu Preußen. Linzen legte sein Amt nieder; Eduard Wendland übernahm als Bürgermeister von Harsewinkel. Das Amt Harsewinkel zählte damals 5027 Einwohner. 

Laut Quellen im Internet wird Wendland für das Jahr 1832 noch als Bürgermeister und Chef der Bürgermeisterei Harsewinkel erwähnt, dem drei Beigeordnete zur Seite standen: Meier Overesch (Harsewinkel), Wirt Theodor Becker (Greffen) und Wöpker (Marienfeld). In den 70/80er-Jahren wurde das Gebäude, das zwischenzeitlich eine Gastronomie beherbergte, durch einen Brand erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Übergangsweise stand es sogar leer, wurde danach aber renoviert. Die aktuellen Mieter sind dort seit 20 Jahren beheimatet, sagte Gabriele Wendland.

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