Kleinstlebewesen mögen keinen nackten Boden
Bild: Landesverband
Handfeste Tipps zum nachhaltigen Gärtnern gibt Miriam Schwenker auf Einladung des Heimatvereins. Die 34-Jährige ist Geschäftsführerin des Landesverbands der Gartenbauvereine NRW.
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„Die Glocke“: Der Begriff Permafrost ist in Zeiten des Klimawandels bekannt. Was aber ist Permakultur?

Schwenker: Das Wort leitet sich von den englischen Begriffen permanent und agriculture, also nachhaltige oder dauerhafte Landwirtschaft, ab. Es geht zurück auf Bill Mollison, der als einer der Väter der Permakultur gilt. Sie meint ein nachhaltiges Gärtnern, bei dem so wenig wie möglich Ressourcen von Außen einfließen, also beispielsweise den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel.

„Die Glocke“: Hat eine Permakultur weitere Grundsätze, nach denen gehandelt wird?

Schwenker: Ja, mehrere. Außer der Nachhaltigkeit ist beispielsweise die Selbstversorgung, der Anbau von Obst und Gemüse, ein Ansatz der Permakultur. Das ermöglicht natürlich, lange Transportwege von Lebensmitten und aufwendige Verpackungen zu vermeiden und verringert letztlich den CO2 -Fußabdruck. Und es gibt weitere Punkte.

„Die Glocke“: Als da wären? 

Schwenker: Beispielsweise der Grundsatz, dass es keine nackten Böden geben soll. Denn Boden kann man nicht austauschen. Das heißt, er sollte angemessen mit Mulch, Heu, Stroh oder angetrocknetem Gras bedeckt werden, um ihn vor Austrocknung zu schützen und so Lebensräume für Kleinstlebewesen zu schaffen.

Naturstein und kein Marmor

 „Die Glocke“: Heißt Permakultur Verzicht auf klassische Gestaltungselemente wie Sitzecken oder ein Teich im Garten?  Schwenker: Nein, auf keinen Fall. Aber es ist wichtig, mit natürlichen oder regionalen Materialien zu arbeiten. Es sollte also Naturstein, aber nicht der italienische Marmor, sein. Weidenelemente oder Kräuterschnecken könnten als gestalterische Elemente eingesetzt werden. Und wassergebundene Decken und Wege sind einfach sinnvoller als versiegelte Flächen.

„Die Glocke“: Es geht also um attraktive, nachhaltige Lebensräume. Auch für Tiere.

Schwenker: Natürlich gilt es, Nützlinge in den Garten zu locken. Das klappt mit gewissen Pflanzen wie Blauraute oder Bartblume, oder auch Pflanzen mit offenen Blüten wie zum Beispiel der Roseneibisch. Vögel fühlen sich in Wildgehölzen und Rückzugsorten wie Kornelkirsche, Weißdorn oder Schnellball wohl.

„Die Glocke“: Was wäre denn ein erster Schritt in Richtung Permakultur?

Schwenker: Das wäre das sogenannte Watch and Learn, also das Schauen und Lernen in der freien Natur. Damit beginnt eigentlich alles.

 „Die Glocke“: Das heißt konkret?

Schwenker: Das heißt, ich beobachte den Niederschlag, den Wind, die Schattenbildung und natürlich auch die Sonneneinstrahlung. Jetzt, nach den stürmischen Winden, könnte man vielleicht überlegen, an welcher Stelle eine Hecke Sinn machen würde. Oder welche Hauswand sich begrünen lässt. In diesen Wochen könnte man entscheiden, welche Pflanzen, welches Obst und Gemüse man anbauen möchte. Oder vielleicht auch eine Fläche abmagern, um eine Bienenweide anzulegen. Da sollte man beim Saatgut übrigens auf Demeter- oder Bio-Qualität zurückgreifen. Für vieles beginnt im April die Aussaat.

Lösungen mit wenig Unterhalt

„Die Glocke“: Das hört sich nach viel Arbeit an . . .

Schwenker: Nein, man kann das Stück für Stück angehen. Es kann auch ein Hobby bleiben. Es gibt mehrjährige Kulturen, Lösungen mit wenig Unterhalt und geschlossene Kreisläufe. Auch darum geht es bei Permakultur.

 „Die Glocke“: Kümmere dich um die Erde. Sorge für die Menschen. Beschränke den Konsum: Ist die Permakultur mit diesen drei ethischen Grundsätzen eine Modeerscheinung oder hat sie Zukunft?

Schwenker: Die drei Grundsätze, wie sie in der Permakultur gelehrt werden, treffen nicht nur auf den Garten zu. Es lohnt sich aber an dieser Stelle damit anzufangen.

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