53-Jähriger züchtet Hanf in Wohnung
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Ein 53-jähriger Mann aus Rheda hat in seiner Wohnung Hanf gezüchtet. Die Polizei stellte mehr als 60 Pflanzen sicher.
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Der Frührentner fand heraus, dass der Genuss von Cannabis sein Leiden erheblich lindert. 2014 begann er in seiner Wohnung mit dem Anbau des verbotenen Betäubungsmittels. Am Freitag wurde der Eigenkonsument mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Die Freiheitsstrafe, die das Schöffengericht Gütersloh für die Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt hat, liegt deutlich unterhalb der Forderung der Staatsanwältin und entspricht exakt dem Antrag von Gabriele Martens, Fachanwältin für Strafrecht in Rheda-Wiedenbrück, die dem Gericht die Situation ihres Mandanten schilderte.

Der frühere Industriekaufmann musste 1990 seinen Beruf aufgeben – die Schmerzen waren immens geworden. Seine linke Seite wird ständig von Krämpfen heimgesucht, sodass er sich nur hinkend fortbewegen kann. Seine linke Hand ist nicht mehr zu gebrauchen. Dazu ist eine Diabetes gekommen. Sein Arzt behandelte ihn mit den üblichen Schmerzmitteln, Nebenwirkungen einbezogen. „Da bin ich 2014 ausgestiegen“, räumte der 53-Jährige reumütig ein. „Im Internet habe ich mir Cannabissamen und Zubehör für die Aufbereitung besorgt.“

In der Wohnung des Mehrfamilienhauses gediehen die empfindlichen Hanfpflanzen prächtig, sodass er aus ihnen immer neue Stecklinge ziehen konnte. Alle 60 Tage erntete er die Blütenknospen, jenes Marihuana mit dem für ihn wichtigen Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol. Der 53-Jährige, der täglich bis zu 20 Gramm inhaliert oder selbst gebackene Hasch-Kekse knabbert: „Cannabis gibt mir mehr Lebensqualität als konservative Medizin.“ Eine Nachbarin erschnupperte indes den typischen Marihuanageruch im Treppenhaus, entdeckte im Mülleimer entsorgte Hanfpflanzen und alarmierte die Polizei. Ordnungshüter entdeckten im Januar 2016 bei der Wohnungsdurchsuchung die Plantage und beschlagnahmten 64 Pflanzen. Der Arzt des Verurteilten will sich nun dafür einsetzen, dass er die Tagesration Cannabis bald legal beziehen kann. Denn erst vor wenigen Wochen hätten gesetzliche Neuregelungen in Deutschland diese Chance für Schmerzkranke eröffnet.

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