Drei Jobs in Sachen Klimaschutz
Volltanken, bitte: Auch Bürgermeister Theo Mettenborg (r.) machte sich beim jüngsten Tag der Elektromobilität vorm Bahnhof Rheda ein Bild von den Möglichkeiten.

In Sachen Klimaschutz sind Kommunen Zwängen unterworfen. Klar ist, dass dringender Handlungsbedarf besteht, auch wenn es unmöglich sein dürfte, diesem Anliegen bei jeder Entscheidung höchste Priorität einzuräumen, müssen stets Ziele abgewogen werden. Mit mehr personeller Kraft denn je sollen die komplexen und vielschichtigen Herausforderungen im Sinne der Nachhaltigkeit in Rheda-Wiedenbrück im noch jungen Jahrzehnt angegangen werden.

Drei Klimaschutzjobs

Bekanntlich möchte eine große Mehrheit im Stadtrat deshalb nicht nur die Stelle des Klimaschutzmanagers wiederbesetzt wissen, sondern auch zwei weitere Stellen ausschreiben lassen, die dem Bereich zugeordnet werden. Schließlich ist es ein großes Spektrum, das die Kommune abzudecken gedenkt und mitunter auch schon seit vielen Jahren bespielt. Zudem werden die Aufgaben nicht weniger, ganz im Gegenteil.

Energiesparen macht beispielsweise schon seit 2000 Schule, seit 2005 wird regelmäßig der Vorsatz „Mit dem Rad zur Arbeit“ ausgerufen und der European-Energy-Award wurde erstmals 2007 in Rheda-Wiedenbrück vergeben. Er ist damit genauso alt wie das Programm „Altbauneu“. 2008 nahm die Stadt im Rathaus eine gemeinsame Beratungsstelle mit der NRW-Verbraucherzentrale in Betrieb. Diese Aktivitäten bilden zusammen mit Netzwerktreffen, Veröffentlichungen und diversen anderen Maßnahmen allerdings nur die Spitze des Eisbergs.

Etliche Ladesäulen

Mittlerweile gibt es in Rheda-Wiedenbrück an elf öffentlichen Standorten die Möglichkeit, sein E-Auto aufzuladen. Weitere Säulen sollen an der neuen Stadthalle sowie im Bereich des Bauvorhabens „Zum Eidhagen“ entstehen, heißt es im Abschlussbericht in Sachen Klimaschutzmanagement, den unlängst Beigeordneter Dr. Georg Robra dem Kommunalparlament präsentierte. Strombetriebene Fahrräder können ihm zufolge im Stadtgebiet an sieben für jedermann zugänglichen Säulen mit „Saft“ aus der Steckdose betankt werden.

Tatsächlich sind es noch mehr, nämlich neun: Bei der Tourist-Information am Rathausplatz in Rheda kann der Drahtesel angeschlossen werden, außerdem beim Verstärkeramt, Eusterbrockstraße 44 in St. Vit, am Konrad-Adenauer-Platz in Wiedenbrück, am Museum Wiedenbrücker Schule, Hoetger-Gasse in Wiedenbrück, an der Milchtankstelle Engemann, Auf der Horst in St. Vit, an der Spielerei im Flora-Westfalica-Park, beim Optiker Krane, Lange Straße in Wiedenbrück, am Landgasthaus Pöppelbaum, Am Postdamm, und am Hotel-Restaurant Jägerheim – beide in Lintel. Mehr E-Ladesäulen für Fahrräder gibt es nirgends im Kreis Gütersloh.

Überzeugungs- und Beratungsarbeit

Die Stadt hat zwischen Juni 2011 und Oktober 2012 von einer Essener Ingenieurgesellschaft ein integriertes Klimaschutzkonzept erstellen lassen. Es umfasste eine fortschreibbare CO2-Bilanz, die Ermittlung von Emissionsminderungspotenzialen, ein Maßnahmenprogramm mit Zeit- und Kostenplan, diverse Konzepte und einiges mehr. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, wusste man schon damals: Es ist viel Überzeugungs- und Beratungsarbeit zu leisten. Empfehlenswert sei daher die Einstellung eines Klimaschutzmanagers. Diesem Vorschlag ist auch gefolgt worden, allerdings endete im vergangenen Jahr der Förderzeitraum. Nun will die Stadt die Stelle neu ausschreiben.

Lintel ist vorbildlich unterwegs

Paradebeispiel für Gemeinschaftssinn und Klimaschutz ist Lintel, das bis 2035 energieautark sein möchte. Der Ortsteil hat damit Modellcharakter. Zunächst aber soll dort nach St. Viter Vorbild in einem der nächsten Schritte ein Dorfauto ins Rollen kommen – vorzugsweise mit Sonne, Wind und Wasserkraft im Tank. Zu einer Mobilstation wird bekanntlich der Bahnhof in Rheda. Unter dem Projekttitel zusammengefasst ist eine ganze Reihe von Maßnahmen mit dem Ziel einer umweltfreundlichen Fortbewegung.

Viel vorgenommen

Im offiziellen Schlussbericht für die Behörde, die den Job des Klimaschutzmanagers finanziell gefördert hatte, wird deutlich, dass man sich im Rathaus viel vorgenommen hatte, längst aber noch nicht alles abgearbeitet ist beziehungsweise angestoßen wurde.

Über den Förderzeitraum hinaus hat die Verwaltung die Optimierung ihres Gebäude- und Energiemanagements im Blick. Geplant ist die Erstellung eines Beratungsleitfadens hinsichtlich der Vereinbarkeit von Denkmalschutz und energetischer Sanierung. Bereits zugange ist die Stadt bei der Steigerung der Energieeffizienz der Straßenbeleuchtung. Aktuell hakt es, weil offenbar Informationen aus der Tiefbauabteilung fehlen.

Weitere Punkte auf der Liste der Dinge, die man im Rathaus noch anpacken möchte, sind der Ausbau der Biomassenutzung, eine Kampagne für mehr Sicherheit, die Förderung von Menschen, die ihren Einkauf per pedes oder mit dem Drahtesel erledigen, ein Mobilitätsmanagement in Betrieben sowie die Erstellung eines Rad- und Fußverkehrsplans.

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