Installationen machen Kunst erfahrbar
Bild: Schulte-Nölle
Glückwunsch zum Brachum-Kunstpreis: (v. l.) Michael Deitert, Regionale Kulturstiftung, Uwe Henkenjohann, Aufsichtsrat Flora Westfalica, Künstlerin Frauke Dannert und Bürgermeister Theo Mettenborg.
Bild: Schulte-Nölle

Dannerts Spezialität sind großflächige Installationen. Mithilfe von Licht, Farbe oder Stoffen verwandelt sie einzelne Wände oder gleich ganze Räume in ein begehbares Kunstobjekt. Und nicht selten strahlen ihre Bilder aus, setzen sich an der Decke fort und laufen auf dem Boden in streng geometrischen Formen weiter. Freiheit beansprucht die 37-Jährige auch für ihre Wandcollagen. Die sperrigen und dennoch filigran gearbeiteten Ungetüme urbaner Beton- und Industriekultur kriechen, teils fantastisch entfremdet, über Ecken und Pfeiler und sprengen trotzig den architektonisch vorgegebenen Rahmen. Dabei entstehen surreale optische Illusionen, die Dannert mit kleinformatigen Papiercollagen aufbricht und zu neuen Eindrücken zusammensetzt.

Preisträgerin wird Stadt erkunden

Die Brachum-Preisträgerin studierte an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf (Klasse Professor Thomas Grünfeld) sowie am Goldsmiths College in London. Ihr künstlerisches Schaffen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Audi-Art-Award 2012 im Bereich „Neue Fotografie“. Zudem erhielt die Wahl-Kölnerin mehrere Stipendien. Seit 2009 stellt Frauke Dannert regelmäßig aus. Zuletzt waren ihre Arbeiten in Einzelausstellungen im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, im Kunstmuseum Luzern sowie in der Johanneskirche Düsseldorf zu sehen. Dazu gesellen sich Werkschauen mit anderen Künstlern, darunter im Sprengel-Museum in Hannover sowie aktuell in der Berliner Bourouina Gallery.

Welches Kunstwerk sie in Rheda-Wiedenbrück realisieren wird, und wo es entstehen soll, das wird Frauke Dannert, die bislang noch nie in der Doppelstadt war, in den kommenden Monaten entscheiden. „Ich werde mich dazu einige Tage hier einnisten, viel durch die Stadt streifen und fotografieren“, verriet sie im „Glocke“-Gespräch. Dass ihre bisherigen Installationen sämtlich in geschlossenen Räumen ihre Wirkung entfalteten, stellt für das Nachwuchstalent kein Problem dar. Im Gegenteil: „Es reizt mich, mit meiner Arbeit nach draußen zu gehen. Das ist ein völlig neuer Ansatz.“

„Bedeutender Zuwachs“

Kuratorin Jari Ortwig, die Frauke Dannerts Werkprozess bereits seit dem Jahr 2010 verfolgt, attestierte der Preisträgerin ein „mutiges und souveränes Ausprobieren neuer Medien“. In ihren Arbeiten entbinde Dannert die Architektur ihrer wesentlichen Eigenschaften ebenso wie ihres alltäglichen Kontexts. „Massive Betonbauten stehen als motivisches Repertoire der Leichtigkeit und Dynamik ihrer Collagen, aber auch ihrer räumlichen Installationen, Boden- und Wandarbeiten entgegen.“

„Ich bin mir sicher, dass deine Kunst einen bedeutenden Zuwachs für die Stadt darstellen wird“, sagte Juryvorstand Roland Nachtigäller an Frauke Dannert gewandt. Der künstlerische Direktor des Marta in Herford hob die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum hervor. Diese habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Kunst stehe heute stärker denn je zur Disposition, deshalb sei ihre Förderung umso wichtiger. Der Brachum-Preis sei daher „ein grandioses Signal für Rheda-Wiedenbrück“.

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