Tönnies sucht Bauland für 71 Häuser
Lemgoer Modell: Die Studentensiedlung, die die Immobilienfirma Asset in der lippischen Hochschulstadt errichtet hat, soll als Vorbild für die geplanten Produktionsarbeiter-Unterkünfte von Tönnies dienen. Geschäftsführer Daniel Nottbrock will bis zu 71 Mietshäuser errichten.

Das aus sieben Häusern bestehende Studentenquartier in der lippischen Hochschulstadt hat die Immobiliengesellschaft Asset, die sich im Besitz von Clemens Tönnies und seiner Familie befindet, vor etwa einem Jahr errichtet. Die 147 Appartements werden überwiegend von Studenten der Technischen Hochschule Ostwestfalen bewohnt.

Moderner Kubus mit vielen Fenstern

Der Haustyp – ein moderner Kubus mit weißer Putzfassade und großen Fensterelementen – soll künftig auch andernorts in der Region entstehen. Dann allerdings nicht als Studentenunterkunft, sondern als Domizil für Tönnies-Beschäftigte aus Schlachtung, Zerlegung und anderen Kernbereichen der Produktion. „Wir sind davon überzeugt, dass sich die Häuser dank ihrer vergleichsweise kleinen Einheiten bestens für diese Zielgruppe eignen“, sagt Daniel Nottbrock, Geschäftsführer der Tönnies-Holding für Finanzen und zugleich Geschäftsführer von Asset.

Hintergrund

Auf der „Glocke“-Facebookseite ist rege Diskussion um das Wohnraum-Projekt der Firma Tönnies entstanden. „Wie so oft muss erst etwas passieren, bevor etwas passiert“, schreibt ein Nutzer und bezieht sich damit auf den massenhaften Corona-Ausbruch bei Tönnies, der seiner Auffassung nach ausschlaggebend für das großangelegte Neubauvorhaben ist. Ein anderer Kommentator sieht das ähnlich: „Es ist interessant, wie schnell die Umsetzung auf einmal gehen soll.“ Dass der Marktführer in der deutschen Fleischbranche mit der Errichtung von Mitarbeiterunterkünften auch wirtschaftliche Interessen verfolgt, vermutet ein weiterer Nutzer: „Man darf gespannt sein, wie viel Geld Tönnies damit einnimmt. Die schicken Häuschen sind sicherlich keine nette Geste.“ Ein „Glocke“-Leser legt Wert darauf, dass die Neubauten der Studentensiedlung am Lemgoer Hanseweg qualitativ möglichst nah kommen: „Ich hoffe, dass die Wohnungen für die Mitarbeiter genauso aussehen werden.“ Dass das Vorhaben schon im Vorfeld kritisiert wird, ärgert einen anderen Internetnutzer: „Wie immer sind fast alle nur am Meckern. Endlich wird etwas getan und das finde ich gut. Alle Beteiligten sollten erstmal abwarten, wie es umgesetzt wird.“

71 Häuser mit je 21 Einheiten, die bei maximaler Auslastung (also zwei Personen pro Wohnung) Platz für knapp 3000 ehemalige Werkvertragsbeschäftigte bieten: Auf diese Formel lässt sich das großangelegte Bauvorhaben bringen, das der Fleischkonzern in den kommenden Jahren realisieren will.

„Pläne liegen in der Schublade“

„Die Pläne liegen in der Schublade, sodass wir binnen zwei Wochen einen Bauantrag stellen könnten“, sagt Nottbrock. Zugleich betont er aber auch: „Was jetzt noch fehlt, sind die erforderlichen Bauplätze.“

Konzern bittet Kommunen um Hilfe

Weil freie Flächen bekanntlich Mangelware sind, hat der Konzern am vergangenen Freitag 21 Bürgermeister von Städten aus dem näheren Umfeld angeschrieben mit der Bitte, potenziell geeignete Grundstücke anzubieten. „Von 14 Kommunen haben wir bereits die Zusage für Gespräche erhalten“, erklärt Ludger Buschkotte. „Das stimmt uns optimistisch, dass es schnell vorangeht.“

Appartements kosten bis zu 450 Euro

Buschkotte ist Geschäftsführer der neu gegründeten Immobilien- und Wohnungsgesellschaft von Tönnies, die die geplanten Häuser bauen, bewirtschaften und vermieten soll. Wert legt er auf die Feststellung, dass man mit „marktüblichen Preisen“ kalkuliere. Die Warmmiete für 27 Quadratmeter große Doppel-Appartements, die von zwei Personen genutzt werden können, betrage abhängig vom Baulandpreis zwischen 400 und 450 Euro monatlich. Pro Nutzer wären das also bis zu 225 Euro. Single-Wohnungen mit 17 Quadratmetern Fläche sind nach den Tönnies-Plänen für 300 Euro im Monat zu haben.

Einrichtung inklusive

Badezimmer, Küchenzeile, Mobiliar und Elektrogeräte gehören jeweils zur Grundausstattung. Für Internet und Hausmeisterdienste muss nichts extra gezahlt werden.

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