Missbrauchsskandal in Ahlener Kaserne?
Die Westfalen-Kaserne in Ahlen soll Schauplatz diverser Misshandlungen gewesen sein.

Dazu kommt der Vorwurf des Missbrauchs der Befehlsbefugnis. Der Fall fügt sich nahtlos ein in die Reihe krimineller Machenschaften von Soldaten, mit denen die Spitze der Bundeswehr und die Verteidigungsministerin derzeit zu kämpfen haben. Unter Anklage steht ein ehemaliger Gruppenführer im Zug einer Ausbildungskompanie der Bundeswehr in Ahlen. Der aus Machern im sächsischen Landkreis Leipzig stammende Mann war zuständig für die Grundausbildung der betroffenen jungen Soldaten. Mithin hätte er Vorbild in Sachen innerer Führung sein müssen. Offenbar ist er dieser Rolle nicht gerecht geworden.

Soldatin sexuell belästigt

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm folgende Anklagepunkte vor: Einem Untergebenen soll er befohlen haben, auf eine Soldatin einzuwirken, damit diese mit ihm näher in Kontakt komme. Dabei soll er dem Untergebenen mit körperlicher Gewalt gedroht haben, falls der sich weigere. In der Nacht vom 23. auf den 24.November 2016 soll er gegenüber der von ihm ins Visier genommenen Soldatin zudringlich geworden sein. Während der inoffiziellen Zugfeier im Vereinsheim eines Ahlener Sportvereins soll er der Frau über die Wange geleckt und gesagt haben: „Was ich angeleckt habe, ist meins.“

Untergebene geboxt und zu Alkoholkonsum gezwungen

Während derselben Veranstaltung soll er einem Untergebenen in den Genitalbereich geboxt und ihm erhebliche Schmerzen zugefügt haben. Ebenfalls auf der Zugfeier soll er einem weiteren  Untergebenen dessen Führerschein weggenommen haben. Wenn er ihn zurück haben wolle, müsse sich der Soldat für sein Verhalten der letzten drei Monate entschuldigen, habe der jetzt Angeklagte seinerzeit erklärt. Und  dem Soldaten vorgeworfen, er sei sehr tollpatschig und vergesslich.

Einem weiteren Soldaten soll er befohlen haben, immer wieder neue alkoholische Getränke zu bringen. Dafür habe er Zeitvorgaben gemacht, die der Untergebene nicht einhalten konnte. „Zur Strafe“ habe der Soldat den Alkohol selbst trinken müssen. Die Folge: Der Mann war schnell so alkoholisiert, dass er eine Zeit lang regungslos oder bewusstlos auf dem Boden lag. Kameraden des Soldaten habe der Angeklagte daran gehindert haben, ihn in die Kaserne zu bringen. Er soll ihnen befohlen haben, vor Ort bei der Feier zu bleiben.

Der Prozess findet am 13. Juni um 9.30 Uhr vor dem Schöffengericht in Ahlen statt.

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