Mit Fäusten auf den Kopf eingeschlagen
Am dritten Prozesstag gegen zwei Bulgaren, denen gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und versuchte Zwangsprostitution, sagte die Geschädigte am Amtsgericht Ahlen aus.

Sie sei am 7. Mai in der Wohnung des einen der Angeklagten am Ahlener Amselweg zusammengeschlagen worden. Außerdem habe man sie zur Prostitution zwingen wollen, so ihre Aussage.

Die junge Frau, deren Lebensgefährte bis vor wenigen Tagen mit dem gemeinsamen vierjährigen Sohn in Portugal gelebt habe, wollte ihre derzeitige Adresse in Deutschland nicht genannt wissen, da sie sich bedroht fühle. Zunächst sei man in der Familie des jüngeren Angeklagten, zu der auch zwei erwachsene Söhne gehören, sehr nett und hilfsbereit zu ihr gewesen. Der Angeklagte habe ihr sogar Kleidung gekauft und sie bei sich wohnen lassen. Einer der beiden Söhne habe ihr an dem Tag des Angriffs gegen sie gesagt, dass er sie liebe. Sie habe ihm aber eine Abfuhr erteilt.

Daraufhin hätte der Vater gemeinsam mit dem weiteren Angeklagten alle Anwesenden aus dem Wohnzimmer geschickt und sie anschließend mit Fäusten an Kopf und Körper zusammengeschlagen. Außerdem hätten der Wohnungsinhaber und der andere Angeklagte, den die Zeugin während ihrer gesamten Aussage als den „Zuhälter“ bezeichnete, ihr gesagt, sie müsse künftig für sie „arbeiten“. Zwei Prostituierte, so die Zeugin, hätten mit dem „Zuhälter“ auch in der Wohnung des ersten Angeklagten gewohnt. „Es hieß immer, der eine werde mich an den anderen verkaufen und für mich einen hohen Geldbetrag bekommen“, ließ die junge Frau übersetzen. „Du Hure, Du wirst arbeiten“, hätten sie gesagt und sie in einem der Zimmer eingeschlossen.

Von dort habe sie am Tag nach der Körperverletzung mithilfe eines der Söhne fliehen können, was der Vater nicht habe wissen dürfen. Der Wohnungsinhaber sei sehr jähzornig gewesen, berichtete sie weiter. Auch seine Söhne habe er oft geschlagen.

Unglaubwürdig fanden das alles die beiden Verteidiger. „Die Frau reist seit Jahren durch Deutschland ohne Geld und Beruf, wovon lebt sie denn?“, wollte einer von ihnen wissen. Ihr Mann habe ihr Geld aus Portugal geschickt, lautete die Antwort der Zeugin. Es sei ihr schwer gefallen, Mann und Kind zurückzulassen, doch in Portugal habe sie keine Arbeit gefunden, sagte die Nebenklägerin.

Der Prozess wird am Donnerstag, 19. Oktober, fortgesetzt.

Mehr im „AT“ vom 13. Oktober.

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