Auf der Harley dem Traum näher gekommen
So könnte es bald auch in Beckum aussehen. Bei einem befreundeten Friseur in Düsseldorf bekam Markus Pust Tipps für die Rasur. Er selbst plant, an der Weststraße in Beckum einen klassischen Herrensalon zu eröffnen – mit Theke, Billardtisch und Motorrädern als Deko.

Und entschied für sich: „Ich habe keine Lust mehr zu leiden. Ich gebe Gas.“ Wenn Markus Pust das sagt, hat es häufig etwas mit seinem Motorrad zu tun, einer alten selbst zusammengebauten Harley-Davidson. So auch diesmal. Pust schnappte sich seinen Helm und machte eine Tour durch Europa. Dabei hatte er einen Traum vor Augen: die Eröffnung eines klassischen Barbershops, ein Friseurgeschäft also ausschließlich für männliche Kunden. Folglich rollte seine Harley von einem Barbier zum nächsten. Und nach jedem Besuch kam Markus Pust seinem Traum ein Stück näher. Von zahlreichen Kollegen bekam er Tipps und lernte neue Techniken für sein Handwerk kennen.

Mittlerweile hat der Plan des kreativen Machers Konturen angenommen. Der 38-Jährige ist der Umsetzung einen ganzen Schritt näher gekommen, nachdem er eine weitere Immobilie neben seinem Hauptgeschäft an der Weststraße 34a angemietet hat. Es handelt sich um den Standort des an die Nordstraße umgezogenen Geschäftes Naturkost Kirschbaum. Dort soll auf einer Fläche von ungefähr 100 Quadratmetern ein klassischer Herrensalon entstehen. Markus Pust kommt ins Schwärmen, wenn er sich die Einrichtung ausmalt. Ein englisches Zigarrenzimmer schwebt ihm vor, mit rauchigem Whiskey, einem Billardtisch und Motorrädern als Dekoration. Welcher Mann tut nicht gerne was für sein Äußeres und widmet sich ganz nebenbei Benzingesprächen? „Verwöhnmomente in lockerer Atmosphäre“, das ist es, was Markus Pust im Kopf hat.

Bei der Umsetzung hat sich der Beckumer bewusst für die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region entschieden. So ist das eben im Lockdown: „Man rückt zusammen.“ Sei es mit „Maler Kaufhold“, Sanitärinstallateur Kriener oder „ME-Design“. Und da wäre nicht zuletzt der Austausch mit anderen Friseursalons in Beckum. Schließlich sitzen alle im Lockdown im selben Boot. „Die Hilfen vom Staat kann man nicht ernst nehmen. Im Endeffekt ist man auf sich allein gestellt“, merkt Markus Pust kritisch an. Um gleich darauf wieder auf sein Projekt zu sprechen zu kommen. Anfang April könnte es schon so weit sein mit der Eröffnung des Herrensalons. Wenn, ja wenn irgendwann wieder Normalität einkehrt.

Corona-Krise schweißt Friseursalons zusammen

Keine Frage, auch Markus Pust sehnt sich nach einem Ende des Lockdowns und der Corona-Krise ganz allgemein. Was ihn antreibt, ist die Überzeugung, dass die Menschen danach „das Bedürfnis haben, etwas nachzuholen“. Was seinen eigenen Beruf angeht, erhofft er sich einen Schub. Das Handwerk könnte einen neuen Stellenwert bekommen. Markus Pust denkt laut nach: „Wenn dann auch noch der Eventcharakter im Salon hinzukommt...“

Zumindest, was den Gemeinschaftssinn angeht, kann Markus Pust der Corona-Krise etwas Positives abgewinnen. Mit den Salons Wöstendiek und „Timo S.“ hat er Solidaritätsprojekte ins Leben gerufen. Eins davon hatte das griffige Motto „Bier statt Trinkgeld“ und sollte den Wirten und Gastronomen unter die Arme greifen. „Wir Friseure haben einen guten Draht zueinander“, betont Markus Pust. Gerade auch, wenn es um aktuelle Themen wie Ausbildung, Fördermittel oder Live-Übertragungen im Internet geht.

Bei aller Hoffnung. Was derzeit aufs Gemüt schlägt, ist die Aussicht auf einen verlängerten Lockdown. Mit der Entscheidung der Politik in der vergangenen Woche hatte Markus Pust zwar gerechnet, gehofft hatte er aber insgeheim trotzdem auf eine schnellere Wiedereröffnung der Friseursalons. „Mittlerweile haben wir weitreichende Hygienekonzepte entwickelt“, sagt er. Dazu gehört zum Beispiel das Fiebermessen vor dem Haareschneiden. Maßnahmen, die derzeit bei geschlossenen Türen keine Rolle spielen. Was bleibt, ist die Aussicht, bald den Traum vom Herrensalon zu verwirklichen.

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