Anlaufstelle für ein stilles Gebet
Viele Gläubige meiden auch in der Herzfelder St.-Ida-Basilika derzeit wegen Corona den Besuch der Gottesdienste. Zum stillen Innehalten kommen dafür umso mehr Menschen in die Kirche, ablesbar daran, dass der Bedarf an Opferkerzen höher ist als sonst.

Allerdings hält die Sorge vor Ansteckung viele weiterhin vom Besuch der Gottesdienste ab. Nach dem Wiederbeginn seien bei Weitem nicht so viele Besucher in den Messen wie vor dem Lockdown, berichtet Pfarrer Jochen Kosmann von St. Ida in Herzfeld. Geringere Besucherzahlen in den Messen heiße aber keineswegs, dass die Gotteshäuser nicht frequentiert würden. Vielmehr sei es so, dass viele bewusst allein zum stillen Gebet oder zum Nachdenken in die Kirche kämen, schildert er die Situation. Dass diese Zahl der Besucher gestiegen sei, könne an dem deutlich erhöhten Bedarf an Opferkerzen abgelesen werden, die von den Besuchern angezündet würden. Viel häufiger als sonst müssten Opferkerzen nachgelegt werden.

Stiller Besuch vielleicht Ersatz für Gottesdienst

Für den Pfarrer eine nachvollziehbare Entwicklung: „Eine Kerze anzuzünden ist immer ein Zeichen dafür, dass es zwischen Himmel und Erde noch etwas mehr gibt.“ Vielen gelte ein stiller Besuch vielleicht als Ersatz für den Gottesdienst, vermutet KOsmann. Aus persönlichen Gesprächen wisse er aber auch von manchem, der durch die aktuellen Entwicklungen seinen Glauben noch einmal neu überdenke. Ausgefallen seien in der Pfarrgemeinde, die mit der Basilika und dem Gedenken an die heilige Ida ein bedeutendes Ziel für Gläubige besitze, jedoch die Wallfahrer. Die angemeldeten Gruppen seien fast alle nicht gekommen, insbesondere Pilgergruppen, die mit dem Bus anreisen wollten, hätten abgesagt, führt der Pfarrer weiter aus. Blieben diese Pilgergruppen aus, sei die Zahl derjenigen, die sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht hätten, kräftig gewachsen.

Ein Stopp bei der Radtour

Dabei spielten Radfahrer eine wichtige Rolle, deren Zahl nach Kosmanns subjektivem Empfinden angestiegen ist: „Ich habe den Eindruck, dass viele Leute vermehrt Radtouren in der Umgebung durchgeführt haben.“ Und mancher habe dann eben an der Ida-Basilika eine kurze Pause ein eingelegt. Die meisten dieser Radtouristen könne man kaum im direkten Sinn als Pilger ansprechen, sagt der Pfarrer. Wie viele Menschen die Ida-Kirche und Herzfeld als Wallfahrer ansteuerten, lasse sich auch nicht genau sagen. Im vorigen Jahr seien es deutlich mehr als 5000 mit angemeldeten Gruppen angereist. Die Zahl der übrigen Wallfahrer könne nur annähernd geschätzt werden, erklärt Kosmann. Einige Zehntausend Besucher dürften es in normalen Jahren schon sein, schätzt der Pfarrer und Wallfahrtsrektor.

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