Kitaplatz-Suche wird zur Odyssee
Zumindest für ein Jahr muss sich Familie Schnelle aus Schoneberg keine Sorgen wegen eines Kita-Platzes machen. Bis dahin war es aber ein weiter Weg für die Eltern Sarah und Maximilian Schnelle und ihre Kinder (v. l.) Friedjoff, Arthur, Florentine und Janosch.

 „Wir haben uns schon im November beim Kreis-Jugendamt für einen Platz beworben“, berichtet die Mutter, die ihren Sohn zum 3. Juli in einer Kita betreuen lassen wollte. „Dabei haben wir drei Kitas als unsere Wunschoptionen angegeben“, betont die Mutter. Im Februar kam dann die Antwort vom Kreis: Für den kleinen Friedjoff sei kein Platz frei. Also mussten sich die Schnelles eine Alternative überlegen. Die war mit einer Tagesmutter aus Wadersloh im Kreis Warendorf auch rasch gefunden. Ist doch nochmal gut gegangen, möchte man meinen. Dann aber kam alles auf einmal ins Rollen – und zwar bergab.

Kita musste Kapazitäten erweitern

Dabei fing alles mit einer guten Nachricht für die Familie an. „Wir haben dann doch noch eine Zusage für unsere Wunschkita bekommen“, berichtet Sarah Schnelle. „Also haben wir der Tagesmutter wieder abgesagt.“ Der scheinbar nur kleine Haken an der Sache: Die Wunschkita der Schnelles, der Kindergarten St. Christophorus in Oestinghausen, muss seine Betreuungskapazitäten erweitern, um Sohn Friedjoff aufnehmen zu können. Dafür hat die Einrichtung die nötige Betriebserlaubnis beim Landesjugendamt des LWL bereits im Januar gestellt. „Man sagte uns, die Bewilligung sei nur eine reine Formalität“, ärgert sich Schnelle heute, das so leichtsinnig geglaubt zu haben. Denn im Juni war diese Formalität noch immer nicht erledigt, die Betriebserlaubnis fehlte immer noch. „Als dann die Sommerferien anfingen, teilte man uns mit, wir als Eltern sollten selbst beim Landesjugendamt anrufen und nachfragen“, sagt Schnelle. „Da haben wir aber auch nichts erfahren.“

Sohn wird nicht aufgenommen

Im weiteren Austausch mit der Kita wurde der Familie das Ausmaß des behördlichen Versäumnisses bewusst, denn ohne Betriebserlaubnis kann Friedjoff dort nicht betreut werden. Für die Schnelles eine Katastrophe, schließlich sind beide Elternteile voll berufsfähig. „Ich arbeite als freiberufliche Hebamme“, erklärt Mutter Sarah. „Da muss ich langfristig planen und das geht nur, wenn meine Kinder garantiert betreut sind.“

Tagesmutter hat nur bis Oktober Zeit

Zwar hätte die Tagesmutter aus Wadersloh Friedjoff noch aufnehmen können, allerdings nur bis zum 1. Oktober. Ab dann betreut sie nämlich dessen jüngere Schwester Florentine und hat ihre Kapazitäten damit voll ausgelastet. „Das nützt mir also auch nichts“, meint Sarah Schnelle.

Coronavirus verlängert Bearbeitungszeit

Das Landesjugendamt begründet die lange Bearbeitungszeit mit dem Coronavirus. „Viele unserer Mitarbeiter mussten sich damit beschäftigen, wie wir mit Corona umgehen müssen“, heißt es in der Stellungnahme der Behörde auf Nachfrage. Bei den Fällen, die aktuell aber noch offen seien, warteten die Mitarbeiter jedoch noch auf Rückmeldung vom Träger, da Unterlagen fehlten.

Erfolg: Platz für ein Jahr bekommen

Als die Redaktion in der vergangenen Woche bei den zuständigen Behörden und dem Träger um Informationen bat, ging es auf einmal ganz schnell. Die fehlenden Unterlagen schienen urplötzlich da gewesen zu sein, die Betriebserlaubnis sollte schon am Donnerstag erteilt werden, wie der Träger versicherte – wenn auch erstmal nur für ein Jahr. Für die Schnelles ein Erfolg. „Auch wenn ich befürchte, dass uns nächstes Jahr ein ähnliches Theater bevorsteht“, glaubt Mutter Sarah, deren Sohn ab heute erstmal einen Kita-Platz hat.



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