Häftlinge bauen Spieleparadies in Kitas
Bild: Miketta
NRW-Justizminister Peter Biesenbach (Mitte) informierte sich bei (v. l.) Kerstin Höltkemeyer-Schick, Dieter Overmann, Helmut Helfers und Josef Uphoff über das Projekt „Manpower“.
Bild: Miketta

Das Außengelände der Kita „Zauberland“ war kein Spieleparadies für die Kinder. Matschiger Boden, ein marodes Wasserspiel und ein großer Sandkasten luden nicht gerade zum Toben ein.

57 Strafgefangene haben in den vergangenen 15 Monaten mit angepackt

Das hat sich geändert – dank der Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Gröblingen, ein Ableger der JVA Bielefeld-Sennestadt.

So macht Spielen Spaß in der Kita Zauberland

57 Verurteilte haben in den vergangenen 15 Monaten aus der eintönigen Gartenlandschaft eine Wohlfühloase gemacht. „Wir haben sehr viel geschafft“, sagt Volker C. (Name von der Redaktion geändert), selbst Häftling in der JVA Gröblingen und Initiator des Wiedereingliederungsprojekts „Manpower“, bei dem sich Inhaftierte aus dem offenen Vollzug ehrenamtlich um die Pflege und Instandhaltung der Kindertagesstätten kümmern.

Die Skepsis war groß, doch das Vertrauen hat sich ausgezahlt

„Unsere Idee wurde zunächst oft belächelt“, berichtet er. Und vor allem war die Skepsis groß. Auch bei der Stadt Sassenberg. „Die Menschen, die hier ehrenamtlich tätig sind, sind Strafgefangene im offenen Vollzug, und das hat ja auch seinen Grund. Gleichwohl haben wir das Angebot gern angenommen, das Projekt zugunsten unsere städtischen Kitas zu nutzen“, erklärt Bürgermeister Josef Uphoff.

Das Vertrauen in das Projekt hat sich gelohnt.

„Ich muss diesen Menschen meinen Respekt zollen“

Wo einst ein ungenutztes Stück Land war, ist ein Blumenbeet entstanden. Das Wasserspiel und ein kleines Häuschen wurden restauriert, durch den Garten schlängelt sich ein gepflasterter Weg, und ein frisch gestrichener Zaun rundet das Bild ab.

Die Strafgefangenen haben mit viel Arbeit diesen Zaun aufgestellt.

Sehr zur Freude von Kita-Leiterin Dorothee Borchers. „Ich muss diesen Menschen meinen Respekt zollen. Sie waren immer da, immer zuverlässig. Sie haben bei Wind und Wetter gearbeitet“, lobte sie das Engagement der Männer.

Jeder bringt sich so gut ein, wie er kann

Dort, wo Arbeiten anfielen, rückten bis zu fünf Inhaftierte aus und machten sich ans Werk. Rasen säen, Steine schleppen und marode Holzlatten austauschen. „Jeder bringt sich so gut ein, wie er kann“, sagt Volker C.. „Aber es klappt. Die Inhaftierten fühlen sich wertgeschätzt. Die Resonanz ist gut.“

Kein Wunder also, dass die Straftäter sogar samstags in ihrer freien Zeit in der Kita arbeiteten. „Viele haben auf Freizeit mit den Familien verzichtet. Das muss man allen hoch anrechnen“, sagt Volker C.. Aber er und seine Mitstreiter wissen, wofür sie diese Arbeit machen.

„Jedes Lachen eines Kindes erhellt den Tag“

Auf einem Plakat steht ihr Motto geschrieben: „Jedes Lachen eines Kindes erhellt den Tag.“ Genau diese Wertschätzung erfahren die Männer von Erziehern, Kinder und auch Eltern. „Es ist wie im Zauberland.“

Die ganze Geschichte mit Hintergründen und einem kurzen Interview mit NRW-Justizminister Peter Biesenbach lesen Sie am Wochenende in der Warendorfer Ausgabe der „Glocke“.

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