B64n-Kritiker schließen Aktionsbündnis
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Der Protest gegen den Ausbau von B51 und B64n entlang der Trasse zwischen Münster und Herzebrock-Clarholz ist nicht nur in Warendorf und Beelen vielfältig und vielstimmig. Im Bereich der Handorfer Bürgerinitiative gab es im August 2020 eine Menschenkette gegen den geplanten vierspurigen Ausbau bis Telgte.
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 „Uns verbindet das Ziel, den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 51 zwischen Münster und Telgte und den Bau der B 64n zwischen Telgte und Rheda-Wiedenbrück zu verhindern“, erklärt Karsten Birkemeier von den Naturfreunden in Beelen. „Jede Bürgerinitiative wird ihre eigenständige Arbeit behalten“, ergänzt Maria Odenthal-Schnittler von der Bürgerinitiative Bundesstraße 51 in Telgte: „Wir in Telgte setzen uns vor allem für den Erhalt von Natur- und Kulturgütern entlang der Bundesstraße 51 zwischen Münster und Telgte ein, die durch den geplanten Ausbau unwiederbringlich zerstört würden.“

Straßenbau „aus der Zeit gefallen“

Das Bündnis wird getragen von der Überzeugung, dass der geplante Straßenneubau aus der Zeit gefallen sei: „Uns ist unverständlich, wie der Bund und das Land NRW bei der drohenden Klimakatastrophe noch an diesem großflächigen und brachialen Eingriff in die Natur festhalten können“, wundert sich Wilhelm Thumel von der Bürgerinitiative Interessengemeinschaft Warendorf Süd (IWS) über das Festhalten an jahrzehntealten Planungen.

Ebenfalls in Warendorf aktiv ist die besonders von Landwirten getragene Bürgerinitiative Verkehrskonzept Warendorf (BVW): „Wir werden nicht müde, sehr deutlich zu machen, was der Verlust und die Versiegelung von hunderten von Hektar Acker- und Waldfläche bedeuten“, erklärt Michael Afhüppe für die BVW, „durch die Realisierung der Planungen fallen die Flächen für die Nahrungsmittelproduktion aus. Es ist ein ökologisches Desaster für die Tier- und Pflanzenwelt, und obendrein verlieren Landwirte ihre existenzielle Grundlage.“

Grundeigentümer leisten Widerstand

Besonders groß ist laut Pressemitteilung des Aktionsbündnisses der Widerstand bei den Grundeigentümern, die gegen eine drohende Enteignung alle Rechtsmittel einlegen werden. „Wir hoffen nicht, dass es soweit kommt“, sagt Elisabeth Meier von der Bürgerinitiative Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock in Herzebrock-Clarholz, „denn für das grundsätzlich mögliche Recht der Enteignung muss das Gemeinwohl greifen.“

Der für das Bündnis wichtigste Einwand gegen den B51/B64-Ausbau: „Wie kann etwas dem Gemeinwohl dienen, wenn mit der Realisierung der Straße sämtliche Klimaziele konterkariert werden?“ Diesen Ansatz unterstützt der ökologische Verkehrsclub Deutschland. Der Regionalvorsitzende Thomas Lins (Warendorf): „Sofortige und kraftvolle Maßnahmen gegen den drohenden Klimakollaps sind laut Wissenschaft dringend notwendig.“

Nachholbedarf im Verkehrssektor

Im Verkehrsbereich sei der Handlungsbedarf am größten: „Wir müssen zwingend ran an die Verkehrswende, da unser aller Mobilität die CO2-Emissionen bisher nicht reduziert hat.“ Neue Straßen von „Autobahn-ähnlichem Kaliber“ passten nicht in die politische Landschaft. Es gehe aber auch um umweltfreundlichere Alternativen. Ein Konzept, wie stattdessen der Verkehr der Zukunft in dem Korridor zwischen Münster und Rheda aussehen soll, möchte das Bündnis anstoßen.

„Mit dieser Zielsetzung ist auch für uns als bundesweit agierender Lobbyverband eine Kooperation mit den Bürgerinitiativen sinnvoll“, erläutert Lins für den VCD. „Die eigene Betroffenheit mag für viele Anlass für das Engagement gewesen sein“, entkräftet Lins immer wieder geäußerte Eigeninteresse-Vorwürfe gegen die Bürgerinitiativen, „aber wer sich in die Thematik tiefer eingearbeitet hat, nimmt die Verkehrswende und das Gemeinwohl in den Blick.“

Gemeinsame Homepage gestaltet

Erstes Ergebnis der Zusammenarbeit des Bündnisses gegen die B51/B64n ist eine gemeinsame Homepage, die als Informationsplattform gedacht ist. „Wir hoffen sehr, dass der gemeinsame Internetauftritt ein probates Medium der Öffentlichkeitsarbeit ist“, sagt Thomas Lins zum Start der Homepage, die unter Federführung und mit Förderung des VCD gestaltet wurde. Diese Homepage soll durch das Mitwirken vieler jetzt weiter entwickelt werden. „Wir haben jedenfalls noch viele Ideen des Protestes“, äußern sich unisono alle Beteiligten des neuen Bündnisses.

Probebohrungen gehen weiter

Ungeachtet der andauernden Proteste von B 64n-kritischen Grundeigentümern haben die Planer des Landesbetriebs „Straßen NRW“ in dieser Woche die Probebohrungen entlang der Trasse der geplanten „4zu1-Ost-Münsterland-Verbindung“ aufgenommen beziehungsweise fortgesetzt.

In einer Presseerklärung teilt die Regionalniederlassung Münsterland dazu mit, dass die laufenden Erkundungsbohrungen auch zur Abklärung von Verdachtsstellen des Kampfmittelbeseitigungsdiensts genutzt werden, indem an mehreren Stellen der Kampfmittelbeseitigungsdienst NRW eingeschaltet wird. Nach Rücksprache mit den Experten wurden vier Stellen identifiziert, die näher untersucht werden müssen.

An vier Stellen Kampfmittel vermutet

Aus Sicht von „Straßen NRW“ ist es sinnvoll, die aktuellen Arbeiten zusätzlich zu den vorgegebenen Aufgaben auch für eine sachgerechte Abklärung der Verdachtspunkte zu nutzen. An den Verdachtspunkten würden zuerst Bohrungen vorgenommen, die dann durch umfangreiche Sondierungen des Erdbodens durch Spezialunternehmen ergänzt würden. Nach Abschluss dieser Arbeiten stehe dann fest, ob der Kampfmittelbeseitigungsdienst tätig werden müsse oder die vier Verdachtspunkte aus der Liste des Kampfmittelbeseitigungsdiensts gestrichen werden könnten.

Wie berichtet, werden seit Montag im Bereich Beelen, Warendorf und Freckenhorst Erkundungsbohrungen im Auftrag von Straßen NRW durchgeführt. Mit diesen Probebohrungen könnten die Experten die Zusammensetzung von Bodenschichten exakt bestimmten, sagt Sandra-Maria Beermann, Pressesprecherin des Unternehmens: „Dies ist eine wichtige Vorbereitung für die Planungen der Ortsumgehungen in den jeweiligen Orten.“ Das Ziel des „4zu1-Teams“ von „Straßen NRW“ sei es, „mit einer sinnvollen und angemessenen Lösung Handorf, Warendorf mit Freckenhorst, Beelen und Herzebrock-Clarholz zu entlasten“. Die umfangreichen Planungsarbeiten seien hierfür „bereits auf der Zielgeraden“.

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