Diagnose Lungenfibrose absoluter Schock
Fotos: Detlef Peter Jotzeit
Theo Wiens (61) lässt sich nicht hängen. Der Schalke-Fan aus Warendorf wartet auf eine Spenderlunge.
Fotos: Detlef Peter Jotzeit

„Ich lass mich nicht hängen“, sagt er und setzt noch einen drauf: „Ich sterbe erst, wenn Schalke Deutscher Meister wird.“ Und das werde noch Jahrzehnte dauern, ist sich der eingefleischte Schalke-Dauerkarteninhaber sicher.

Sportlich immer aktiv

„Ich war sportlich immer aktiv und topfit“, blickt der 61-Jährige zurück. Bei der Warendorfer Sportunion (WSU) hat er lange in der ersten Mannschaft und später bei den Alten Herren gespielt, auf zahlreichen Positionen als „Mädchen für alles“. Zudem war er Taucher und begeisterter Skisportler. „Das ist jetzt alles vorbei“, sagt er.

„Wenn ich 30 Stufen in das zweite Stockwerk hochsteigen muss, brauche ich 20 Minuten und bin froh, dass ich auf halber Strecke einen Stuhl stehen habe.“ In der Wohnung selbst ist er angewiesen auf einen Sauerstoffkonzentrator. „Der läuft Tag und Nacht“, berichtet Wiens. Die zwölf Meter lange Leitung für den Luftschlauch reicht bis zum Bett. „Zwei Liter reinen Sauerstoff verbrauche ich pro Minute“, erklärt der ehemalige Brückenbauer, der bis August 2019 auf etlichen Autobahnbaustellen quasi zuhause war.

Leidensweg beginnt in Tirol

Den Beginn des Leidensweges hat Wiens noch gut in Erinnerung. Mit seinen Freunden Eddi Erpenbeck und Dieter Oertker war er im Februar 2019 zum Skilaufen in Ellmau (Tirol). Bei einem Bergaufstieg habe er auf 2500 Meter Höhe plötzlich keine Luft mehr bekommen, sagt er. Sein Freund Eddi, der Rettungssanitäter ist, habe sofort reagiert und darauf gedrängt, dass er notfallmäßig behandelt werde.

Zurück in Warendorf sei er zu einem Lungenspezialisten gegangen, berichtet Wiens weiter. Der habe ihm sofort einen Termin in der Lungenfachklinik in Hemer besorgt. „Vier Tage lang bin ich dort auf den Kopf gestellt worden“, so der 61-Jährige. Dann habe die Diagnose festgestanden: COPD und Lungenfibrose. „Das war ein absoluter Schock“, sagt Wiens. Sein Lungenvolumen hatte sich da bereits von vorher fünf Litern auf nur noch 1,3 reduziert.

Termin an der Uni Hannover

Es folgte eine Überweisung zur Uni Hannover, in der Lungentransplantationen durchgeführt werden. Den ersten Termin habe er im November 2019 gehabt, so Wiens. Erneut sei er dort gründlich untersucht worden. Am Ende sei ihm eine Transplantation grundsätzlich empfohlen worden.

Um aber überhaupt auf die Transplantationsliste zu kommen, habe er strenge Bedingungen erfüllen müssen. Wiens erinnert sich an den Nachweis von 15 zum Teil sehr speziellen Impfungen sowie eine Krebsuntersuchung. „Außerdem habe ich seit November noch 13 Kilo abgenommen“, ergänzt er mit Hinweis auf seine umgestellte Ernährung: „Nur Wasser, Gemüse und Obst.“

Damoklesschwert schwebt über ihm

„Am 8. Mai fand das zweite Gespräch an der Uni statt“, berichtet Wiens. Weitere Tests hätten da auf dem Plan gestanden. Dabei sei es ihm vorgekommen, als schwebe ein Damoklesschwert über ihm. Denn noch immer sei nicht klar gewesen, ob er überhaupt auf die Liste komme. „Wenn nur ein Wert nicht gestimmt hätte, wäre ich nicht auf die Liste gekommen.“

Am Tag der Organspende stehen die Organspendeausweise im Mittelpunkt.
„Sie sind auf der Liste“: Der erlösende Anruf sei am 11. Mai gekommen, schildert Wiens seine Erleichterung. Danach seien eine Herzkatheter-Untersuchung und eine Knochendichtigkeitsprüfung notwendig gewesen. „Alles war tiptop in Ordnung“, freut er sich. Am 13. Juli steht sein drittes Gespräch in Hannover an. „Da sagen mir die Ärzte, wie ich mich verhalten muss, wenn der Anruf kommt.“ Bei einer Organspende sei Eile angesagt. „Mein Koffer muss also bereitstehen.“

Unterstützung durch Familie und Freunde

Dankbar ist Wiens für die Unterstützung seiner Familie und Freunde. „Die kümmern sich rührend um mich“, sagt er. Aktuell werde nach einer Wohnung im Erdgeschoss gesucht. Einen Helfer hebt er besonders hervor: Frank Woycke. „Der ist immer für mich da.“ Genauso wie die Freunde Dieter und Sylvia Oertker, „die tun alles, damit es mir gut geht, und fahren mich auch nach Hannover.“

Eine wichtige Ansprechpartnerin sei seine Ärztin Dr. Tina Haasen. „Sie ist eine große Stütze und hat mein volles Vertrauen.“ Gefreut hat sich der 61-Jährige über die vielen Geburtstagsglückwünsche am 19. Mai. „50 Anrufe, 90 Whatsapp-Nachrichten und ein Ständchen direkt von der Autobahn von meinen ehemaligen Kollegen“ – das sei der Hammer gewesen.

Original-Schalke-Trikot

Stolz ist Wiens auf sein Original-Schalke-Trikot. Auf dem sich nicht nur die komplette Mannschaft, sondern auch der Vorstand mit einer persönlichen Widmung verewigt hat. „So etwas hat nicht jeder“, sagt der Schalker, der seit seinem fünften Lebensjahr ein Blau-Weißer ist.

„Ich gebe nicht auf“, unterstreicht Wiens. Nicht zuletzt mit Blick auf seinen fünfjährigen Enkel Henryk. Als Opa freue er sich auf viele gemeinsame Aktionen. „Das ist Motivation und Lebenselixier zugleich.“ Einen Organspendeausweis hat Wiens schon seit 30 Jahren. „Aber ich hätte nie gedacht, dass ich selbst einmal in so eine Notsituation komme“, sagt er. Daher empfiehlt er allen: „Jeder sollte so einen Pass in der Tasche haben.“

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