Gericht lässt Lärm am Mr. Ed’s messen
Liebe Gäste, bitte seid leise: Der Hinweis hängt am Eingang des Mr. Ed’s. Nachbarn klagen wegen ihrer Meinung nach zu hoher Lärmbelästigung.

Seine Bewertung: Das private Gutachten ist in sich stimmig. Es habe eine Überschreitung des Grenzwerts von 45 um 23 Dezibel ergeben. Selbst wenn man annehme, dass es statt einer Lärmquelle zwei gleich laute gegeben habe, wäre der Wert durch jede dieser Quellen um 20 Dezibel überschritten gewesen. Denn bei einer Halbierung der Lautstärke müsse man drei Dezibel abziehen.

Dass es in der Nacht der Messung also auf der Emsstraße laut war, ist offenbar unstrittig. Doch ist es sicher, dass Gäste des Mr. Ed’s die Lärmquelle waren? Das stellte die Rechtsanwältin des Gaststättenbetreibers Ralf Friedrich in Frage. Sie sprach sich für eine erneute Messung, diesmal durch das Gericht, aus. Der Rechtsanwalt der Nachbarn mochte dem nicht folgen, er hielt die Sache für entscheidungsreif. Der Richter jedoch verfügte, dass erneut gemessen werde. Die Messung wird der Sachverständige, der sich gestern auch vor Gericht äußerte, durchführen. Der Richter wird dabei ebenfalls anwesend sein. Wenn sich das Gericht nicht selbst ein Bild mache, sondern sich auf das Privatgutachten verlasse, könnte das nächsthöhere Gericht die Streitsache im Fall einer Berufung wieder an das Landgericht zurückverweisen, begründete er. Die Messung wird im Haus eines der Kläger durchgeführt werden.

Auch Ralf Friedrich sowie einer der Nachbarn äußerten sich. „Wie ist es denn im Moment?“, fragte Friedrich die Nachbarn. „Es hat sich doch schon einiges geändert.“ Zwischendurch sei es leiser geworden, antwortete einer der Nachbarn. In den vergangenen Wochen jedoch hätten Gruppen von Nachtschwärmern häufig an Wochenenden bis 3.30 Uhr oder 4 Uhr vor der Tür gestanden. Friedrich verwies darauf, dass Taxen in der Nähe des Mr. Ed’s halten und sich dort Fahrradständer befinden würden. Das Mr. Ed’s müsste somit nicht Quelle des Lärms sein. „Wir wollen uns ja verstehen mit den Nachbarn“, bekräftigte er. „Wir wollen eine Lösung haben.“ Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Die Kläger wollen erreichen, dass das Ed’s am Wochenende bis 0 Uhr und unter der Woche bis 23 Uhr öffnen darf. Das sei wirtschaftlich nicht darstellbar, bekräftigte Friedrichs Rechtsanwältin.

Entscheidung der Stadt steht noch aus

Zur Frage der Öffnungszeiten ist auch noch eine Entscheidung der Stadt maßgeblich. Denn dort hat Ralf Friedrich einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt. Bislang erlaubt die Baugenehmigung für das Gebäude des Mr. Ed’s einen Cafébetrieb. Friedrich dürfte demnach unter der Woche bis 23 Uhr und am Wochenende bis 0 Uhr öffnen. Würde er diese Zeiten einhalten, würden die Nachbarn ihre Klagen zurückziehen. Doch Friedrich hat stets erklärt, dass dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich sei.

Er hat im März einen Antrag auf Nutzungsänderung bei der Stadt eingereicht. Die Nutzungserlaubnis soll auf Gaststättenbetrieb geändert werden. Friedrich strebt Öffnungszeiten bis 0 Uhr unter der Woche und bis 2 Uhr am Wochenende an. Seit 2003 ist das Lokal als Gaststätte betrieben worden. Mehrere Kneipiers haben Lizenzen erhalten; nur wurde die Nutzungsänderung nie schriftlich fixiert.

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