Hengste tanzen bei „Pop meets Classic“
Bild: Studio Kaup
„Pop meets Classic“ ist das Thema der „Symphonie der Hengste“ 2017 im NRW-Landgestüt in Warendorf. Am Freitagabend war Premiere.
Bild: Studio Kaup

Die Auffrischung des Konzepts tut der Veranstaltung gut. Durch den strömenden Regen fahren zu Beginn am Freitagabend im NRW-Landgestüt in Warendorf. Bürgermeister Axel Linke, der kommissarische Gestütsleiter Hans Leser und die NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking mit einem Zweispänner über den aufgeweichten Sandplatz und suchen beim überdachten Orchester Unterschlupf.

Leser begrüßt die Gäste in einer „feuchtfröhlichen Atmosphäre“. Trotz der erschwerten Bedingungen zeigen sich Reiter und Pferde aber von ihrer besten Seite. Auch der Sandboden, auf dem schon eine Schicht Wasser steht, tut den Darbietungen keinen Abbruch, sondern unterstreicht die Dramatik einiger Schaubilder zusätzlich zur grandiosen musikalischen Untermalung des Symphonic Pop Orchestras unter der Leitung von Frank Hollmann.

Für die zweibeinigen Darsteller, die zu Fuß über den Platz müssen, macht der Regen die Darbietungen zu einer schlammigen und anstrengenden Angelegenheit. Mit den Aktionstrabern im nassen, tiefen Sand Schritt zu halten, ist eine sportliche Hochleistung, die die Auszubildenden und Angestellten aber sogar bei der massigen Kaltblutkoppel meistern – dabei wäre es schon anspruchsvoll genug gewesen, die vier massigen Hengste im Zaum zu halten, ohne tief in den Boden einzusinken. Das Publikum weiß die Darsteller aber mit kräftigem Applaus und vielen staunenden „Ohs“ zu belohnen.

Auch die Darbietung des Orchesters unterstreicht der Regen eindrucksvoll, nutzen die Musiker doch jede Pause der Vierbeiner für voluminöse und perfekt abgestimmte Stücke, die den Rahmen des Auftritts zwischenzeitlich fast vergessen lassen, weil sich das Orchester hervorragend in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit spielt. Auch eine spannende Lichtershow beeindruckt das Publikum.

Gleich, wer gerade im Mittelpunkt steht – ob Orchester oder Hengste und Reiter – ein jeder fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers, der zwischenzeitlich gar nicht weiß, wo er hinschauen soll. Doch letztlich bekommt er überall etwas zu sehen. Und der Regen macht Musik wie Reitsport von der überdachten Tribüne aus noch etwas eindrucksvoller.

Schulze Föcking auch bei den Hengstparaden

Die Neubesetzung der leitenden Positionen im Gestüt sind laut Schulze Föcking „in Arbeit“, sagte sie im Gespräch mit der „Glocke“. Aber nun wolle sie erst einmal gemeinsam mit ihren beiden Söhnen – einer ist selbst begeisterter Reiter – die Symphonie anschauen, bevor sie sich am 1. Oktober zu den Hengstparaden wieder die Ehre gibt. Die Symphonie der Hengste bezeichnete sie schon im Vorfeld als „wundervolle Weise, Pferdesport und Kultur zu verbinden.“

Das Symphonic Pop Orchestra entlockt seinen Instrumenten die Titelmelodie der Olympischen Winterspiele 1988 „Opening Winter Games“ genauso wie „Hedwig’s Theme“ aus dem ersten Harry Potter Film, Karl Jenkins’ „Adiemus“ oder das bekannte „Hijo de la Luna“. Pferd und Reiter brillieren zu mal sanften, mal fetzigen Tönen ebenso abwechslungsreich. Das „Quartett“ zeigt Dressur-Reitkunst auf hohem S-Niveau, sodass mancher Zuschauer auf die Idee kommen dürfte, dass zu der Musik „The Magnificent Seven“ aus den „Glorreichen Sieben“ eigentlich „großartige Acht“ werden müssen.

Unterbrochen von der punktgenauen musikalischen Stärke des Orchesters zeigen die Mitarbeiter des Landgestüts ihr Können und lassen sich auch vom Wetter nicht aus dem Takt bringen. So wirbelt bei der „Magnum“-Titelmelodie nicht nur der Dirigierstock durch die Luft, sondern auch die „Aktionstraber“ präsentieren sich, als flögen sie regelrecht über den Platz und machen einmal mehr deutlich, welch prachtvoll energiegeladene Tiere sie sind.

Ein klassischer Fall von „Das sieht leichter aus als es ist“ ist die „Fahrschule vom Sattel“ zur Musik von „The Moon And The Superhero“ aus dem Film „Hancock“. Vier Gespanne aus Warm- und Kaltblütern stellen das vordere Pferd in den Mittelpunkt der Übung. Die Reiter auf dem hinteren Pferd können das Tier nur über die Leinen steuern – eine Herausforderung für die Hengste, die ihr Temperament zügeln und ihren Gehorsam schärfen müssen. Ebenso beeindruckend absolvieren die Hengste Dressur-Figuren am „Langen Zügel“ zum „Feather Theme“ aus „Forrest Gump“. Bei Prüfungen werden Passagen und Piaffen erst im Grand Prix – der Königsklasse – verlangt.

Das große Finale und die Ehrenrunde geben sich die Künstler mit „Music Was My First Love“ von John Miles. Sowohl die Bilder als auch das Lied werden dem einen oder anderen Zuschauer noch eine Weile im Gedächtnis bleiben – trotz des noch folgenden Stücks „Thank You For The Music“, das für dieses Jahr das tatsächliche Ende der mal wieder herausragenden Symphonie der Hengste beschließt.

 Die zweite Veranstaltung findet am  Samstag (12. August) ab 20 Uhr statt. Ab 17 Uhr ist das Gelände des Landgestüts zum Umsehen geöffnet und die Besucher können im stilvollen Ambiente essen und trinken.

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