Kritik an Werbung mit Sportschule
„Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Kein Werben fürs Töten und Sterben“ war unter anderem auf den Plakaten zu lesen, die die Friedensaktivisten mitgebracht hatten.

Warum ist die Sportschule neben Stationen wie dem Luftwaffenstützpunkt in Nörvenich und den Zentralen der Waffenproduzenten Rheinmetall und Thyssen-Krupp ein Anlaufpunkt? „Die Sportschule wird von der Bundeswehr viel zu Werbezwecken eingesetzt“, erläutert Michael Schulze von Glaßer die Wahl. „Sportsoldaten werben in Kampagnen für den Dienst an der Waffe“, kritisiert der Telgter, der stellvertretender politischer Geschäftsführer der DFG ist. Mit dem Lockmittel „Olympia“ werbe die Bundeswehr um Nachwuchs. Der 30-Jährige kritisiert in dem Zusammenhang auch die BW-Olympix: Bei der jährlichen Veranstaltung kommen hunderte Jugendliche aus Deutschland nach Warendorf, um sich sportlichen Herausforderungen zu stellen. Dies sei jedoch eine Werbeveranstaltung für die Bundeswehr, für die unter anderem extra Leopard-Panzer zu Schauzwecken nach Warendorf gebracht würden.

Schulze von Glaßer hält vor den Toren der Sportschule eine Ansprache mit Mikrofon, um die Tour-Teilnehmer, die aus NRW und Weißrussland stammen, über die Sportschule zu informieren. Plakate umrahmen die Gruppe aus Friedensaktivisten von DFG, Forum Ziviler Friedensdienst und der Linken: Der Klassiker „Frieden schaffen ohne Waffen“ ist darauf zu lesen und „Bundeswehr abschaffen“, aber auch „Kein Werben fürs Töten und Sterben“ – ein Slogan, mit dem sich die Aktivisten gegen die Werbung der Bundeswehr an Schulen wenden.

Die Versammelten sind gegen militärische Gewalt und fürs Reden. Auch mit jemandem wie dem syrischen Diktator Baschar al-Assad? Auch mit dem, sagen sie. Dabei gehe es nicht darum, ihn zur Vernunft zu bringen, sondern darum, seine Interessen zu berücksichtigen.

Kaserne schließen und der Bevölkerung übergeben

Nach dem Stopp an der Sportschule geht es am Freitag  für Radler und einige Autofahrer weiter in die Innenstadt zum Wilhelmsplatz, wo Organisator Joachim Schramm von der DFG bei einer kurzen Kundgebung spricht. Die Themen Frieden und Abrüstung seien sehr aktuell, insbesondere angesichts der Entwicklungen seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. Deutschland gehöre seit Jahren zu den zehn größten Rüstungsexporteuren der Welt. „Nein zu Rüstungsexporten, vor allem nicht in Kriegs- und Krisengebiete“, ruft Schramm. Geld solle nicht in Waffen fließen, sondern damit sollten „die drängenden Probleme der Welt“ bekämpft werden wie Klimawandel und Armut.

Die Sportschule, so sagen die Friedensbewegten, sollte als Kaserne geschlossen und das Areal der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. „Sport ist eine schöne Sache, er soll Menschen zueinanderführen“, sagt Schramm. Deswegen solle die Sportförderung nicht bei der Bundeswehr angesiedelt seien.

Am Wilhelmsplatz gibt es auch eine Stärkung für die Radler, die gestern aus Münster gekommen sind. Sandra Lang, die Sprecherin der Linken im Kreis, baut alles auf. Sie war in den 1980er-Jahren als Jugendliche bereits in der Friedensbewegung aktiv. Und, hat der Einsatz etwas gebracht? „Ich denke schon“, sagt Lang. „Die Menschen machen sich Gedanken über das Thema.“ Bei der Politik allerdings müsse man dicke Bretter bohren. „Sie reagiert in kleinen Schritten.“

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