Landwirte wollen nicht Sündenbock sein
Gülle als organisches Düngemittel wird von einem Traktor mit Schleppschlauchverteiler ausgebracht. Sensorgestützte Düngung und Düngebedarfsermittlungen sollen helfen, Nitratbelastung zu verringern.

Jüngster Anlass für den Ärger des Milter Landwirts: die Berichte über die starke Nitratbelastung in Deutschlands Böden. In diesen Berichten würde immer ein Foto oder eine Zeichnung von einem Güllefass mit einem Prallteller gezeigt. Dabei sei dies heute gar nicht mehr Stand der Technik, aber jeder bringe damit Geruchsemissionen in Verbindung, nennt er nur einen seiner Kritikpunkte. 

Gülle ist nicht der einzige Punkt

Als einen Hauptverursacher der zum Teil hohen Nitratwerte im Grundwasser hat die Bundesregierung die Landwirtschaft ausgemacht und deshalb die Regeln für das Düngen auf den Feldern verschärft („Die Glocke“ berichtete). „Dabei gibt es viele andere Gründe, die zu den hohen Werten führen können“, erklärt Kuhlage. 

Auch aus Kläranlagen könne, vor allem bei Starkregen, Nitrat in die Flüsse gelangen, ebenso wie aus Mülldeponien oder auch defekten Kanalisationen. Das beweise die Tatsache, dass es auch in den Städten Messbrunnen gebe, die viel zu hohe Werte aufwiesen. 

„Schuld sind immer nur die Landwirte“

„Die Schuld immer nur bei der Landwirtschaft zu suchen, ist deshalb zu kurz gegriffen“, meinen die Milter Landwirte, die zudem den Aussagewert der Messungen anzweifeln. „In ganz Deutschland gibt es nur rund 700 Messpunkte für das Grundwasser. In Österreich sind es mehr als 1100 Messpunkte, und Österreich hat nur ein Viertel der Fläche der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Kuhlage.

Laut eines Gutachtens des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) seien viele der Messpunkte in Deutschland zudem in einem schlechten Zustand und müssten saniert oder durch neue Messpunkte ersetzt werden. 

Sind die Werte immer richtig?

Ob da immer objektiv richtige Werte ermittelt werden können, zweifelt Landwirt Bernd Burbank an. Die seit dem 1. Mai geltende neue Düngeverordnung sehen die Milter Landwirte daher ebenfalls kritisch. 

Bereits vor zwei Jahren habe es eine entsprechende Novelle gegeben, die auch bereits erste positive Ergebnisse gebracht habe. „Aber bis Änderungen bei den Nitratwerten im Grundwasser wirklich messbar sind, kann es mehr als fünf Jahre dauern“, weiß Ludger Kuhlage.

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