Müssinger fühlen sich im Stich gelassen
Foto: Kleigrewe
Einen dicken Ordner mit Anzeigen und Berichten zu den Vorfällen mit den Akitas hat Herbert Weber (l.) angelegt. Wie auch Ulrich Lienkamp (r.) fühlt er sich von der Stadt im Stich gelassen.
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„Doch von Seiten der Stadt und des Ordnungsamts passiert einfach nichts“, fügt Lienkamp kopfschüttelnd hinzu.

Aus dem Herbst 2014 stammt der erste ernste Zwischenfall mit einem der aggressiven Hunde, die ein Züchter am Birkenweg hält, den Herbert Weber in einer mittlerweile sechs DinA4-Seiten starken, eng beschriebenen „American Akita-Chronik“ dokumentiert hat. Da griff ein Akita-Rüde einen Schäferhund an und verletzte ihn so schwer, dass er in einer Nottierarztklinik behandelt werden musste.

Über ein Dutzend weitere Beißattacken, bei denen Hunde und zum Teil auch ihre Halter verletzt wurden sowie Einsätze von Polizei und Rettungsdienst in Zusammenhang mit den Akita-Angriffen umfasst die Chronik. Dazu hat Weber akribisch festgehalten, was die Betroffenen, die sich 2019 zur Interessengemeinschaft „Sicheres Müssingen“ zusammengeschlossen haben, unternommen haben, um das Ordnungsamt auf die Probleme aufmerksam zu machen und um entsprechende Maßnahmen zu bitten.

Tatsächlich habe die Stadt zwar schon mehrfach Buß- und Zwangsgelder gegen den Züchter verhängt und eine Ordnungsverfügung erlassen, in der festgehalten wird, wie er sich mit seinen Hunden zu verhalten hat, erklärt Lienkamp. Doch das ändere nichts an der Situation. Immer wieder hätten verschiedene Müssinger beobachtet, dass die Akitas teilweise noch immer – entgegen der Ordnungsverfügung – ohne Maulkorb und ohne Leine spazierengeführt würden. Außerdem seien mehrfach drei oder vier Akitas unterwegs gewesen, obwohl die Verfügung das Ausführen von nur maximal zwei der Hunde gleichzeitig erlaube.

„Der Züchter verstößt regelmäßig gegen die Vorgaben und zeigt sich völlig uneinsichtig“, kritisiert Weber. „Viele Müssinger haben Angst, wenn sie hier mit ihren Hunden spazierengehen. Etliche von ihnen haben Pfefferspray zur Abwehr von Angriffen durch die Akitas dabei.“ Für Weber, Lienkamp und ihre Mitstreiter ein unhaltbarer Zustand. „Und das Ordnungsamt unternimmt nichts, obwohl wir die Vorfälle regelmäßig anzeigen“, beklagen sie.

Noch Ende Januar habe er Kontakt zum Ordnungsamt aufgenommen und nach dem Stand der Dinge gefragt, erzählt Ulrich Lienkamp. Damals sei ihm erklärt worden, dass zeitnah etwas unternommen werde. Doch bisher sei nichts passiert, sagt er achselzuckend. In Bezug auf die Akitas in Müssingen handele es sich um ein laufendes Verfahren, erklärte dazu André Auer, bei der Stadt zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage der „Glocke“. Derzeit könne er nur mitteilen, dass eine Ordnungsverfügung beabsichtigt sei, zu deren Inhalt der Betroffene vorher anzuhören sei. Dieses Anhörungsverfahren laufe aktuell.

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