Sieben Thesen an den Kirchentüren
Foto: Zumbusch
Im Einsatz für eine „geschlechtergerechte Kirche“: (v. l.) Annette Busse, Irmgard Stuke, Angelika Klager, Marlies Baukloh und Marion Bause vor dem Portal von St. Laurentius in Warendorf.
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Sie präsentierte ihre Thesen zur Erneuerung der römisch-katholischen Kirche an den Eingängen der Laurentius-, Marien- und Josefskirche. Die heimische Gruppe um Annette Busse, Irmgard Stuke, Angelika Klager, Marlies Baukloh und Marion Bause beteiligte sich damit an einer deutschlandweiten Aktion.

Wer am Wochenende eine Messe in den Kirchen der Laurentius-Pfarrgemeinde besuchte, musste an ihren sieben Forderungen vorüber. Pastoralreferentin Marion Bause erläuterte, die Initiative wolle ein deutliches Lebenszeichen abgeben: „Unsere Forderungen sind noch nicht erfüllt. Deshalb bleiben wir am Ball.“ Angelika Klager ergänzte, es solle sichtbar werden, dass Maria 2.0 „nicht im Untergrund verschwunden ist“. Auch in Pandemie-Zeiten sei im Hintergrund weitergearbeitet worden.

Mit dem Thesenanschlag geht es der Initiative nach eigenen Angaben darum, „auf die eklatanten Missstände in der Katholischen Kirche“ hinzuweisen. „Angemahnt wird eine geschlechtergerechte Kirche mit dem Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern sowie die Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt“, wie es in einer Mitteilung zu der Aktion heißt. „Darüber hinaus wird eine wertschätzende Haltung gegenüber selbstbestimmter, achtsamer Sexualität eingefordert sowie die Aufhebung des Pflichtzölibats.“

Maria 2.0 will den Druck auf die deutschen Bischöfe erhöhen, die sich vom 23. bis 25. Februar in einer virtuellen Vollversammlung zusammenfinden. Aus Sicht der Reforminitiative ist es notwendig, „dass die Deutsche Bischofskonferenz endlich beginnt, sich ernsthaft mit den in der Kirche notwendigen Reformen auseinanderzusetzen und den Willen zu Veränderungen durch Taten bezeugt.“

Die sieben am Wochenende präsentierten Thesen beginnen mit der Forderung: „In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern.“ Der Ist-Zustand sei dagegen: „Mannsein begründetet heute Sonderrechte in der Kirche.“ These zwei beklagt den Klerikalismus, der Machtmissbrauch fördere. These drei fordert die umfassende Aufklärung von Taten sexualisierter Gewalt. These vier fordert eine neue Sexualmoral. These fünf besagt, dass die „zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamts“ mehr sein sollte. These sechs spricht sich gegen „Prunk“ und „dubiose Finanztransaktionen“ aus. Und These sieben hält fest: „Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskus.“ Martin Luther zielte mit seinen Thesen vor 500 Jahren gleichfalls auf eine Reform der Kirche ab, tatsächlich erwirkte er die Spaltung. Wohin die Maria-2.0-Forderungen im Jahr 2021 führen, ist angesichts der Zerrissenheit der Katholiken in Deutschland völlig offen.

In Warendorf lädt die Reformbewegung einmal im Monat zum Donnerstagsgebet ein. Das nächste findet am 25. Februar statt. Beginn ist um 19 Uhr in der Marienkirche. Die Zahl der Unterstützer wachse in Warendorf, sagen die beteiligten Frauen. Sie betonen: „Es geht ausdrücklich nicht unbedingt um die Situation in der Gemeinde vor Orts, sondern um eine grundsätzliche Erneuerung der Kirche als Institution.“

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