Stadtführungen dank moderner Technik
Premiere: Laurenz Sandmann mit einem kleinen Headset, das dabei hilft, dass die Teilnehmer der Führungen auf Abstand bleiben können.

„Wir haben uns beworben, mussten dabei unsere Seriosität und die Zusammenarbeit mit der Stadt auf den Prüfstand stellen lassen und wurden schließlich für förderungswürdig befunden“, erläuterte Laurenz Sandmann zu Beginn der ersten Führung mit neuer Technik. Sie fand am Sonntag passend zum Tag des offenen Denkmals statt.

Der Vorsitzende der Altstadtfreunde hatte sich zum diesjährigen Motto „Erinnern – Erhalten – Neu denken“ eine besondere Tour überlegt. Ein Testlauf zugleich für die teure, durch das Investitionsprogramm zu 90 Prozent geförderte Technik.

Durch die bis 100 Meter reichende Übertragung per Funktechnik können die Teilnehmer der Führung im gebotenen Mindestabstand zueinanderstehen und trotzdem jedes Wort des Gästeführers gut verstehen. „So können wir während der Führung kleine Gruppen von wenigen Personen auch in die kleinen Häuser schicken“, freute sich Sandmann, dass diese Anschauungsobjekte der Öffentlichkeit dadurch wieder zugänglich sind.

Der ersten Führung hatte sich nur eine kleine Gruppe von drei Teilnehmern angeschlossen. Die Technik funktionierte hervorragend, und so konnten sie unangestrengt den fundierten Informationen Sandmanns lauschen. Sie erfuhren dabei höchst Erstaunliches. Sandmann stellte die älteste Schule Warendorfs vor (am Kletterpohl), erklärte, warum Eintöpfe in Westfalen so beliebt sind („Man hatte einen Schwippbogenkamin zum Kochen, in den ein Topf passte“) und verriet, dass man an Gauben mit Schleppdach erkenne, dass dort früher ein Gerber ansässig gewesen sei. Und Reeperbahnen habe Warendorf viele gehabt. Denn ein Reep sei ein Seil, und Seilereien gab es einige.

„Je älter ein Haus ist, umso öfter gab es Wandel.“ Mit diesen Worten schilderte Sandmann die Auswirkungen des jeweiligen Zeitgeistes auf die Strukturen der Häuser. Dabei deutete er auch auf das „Glocke“-Gebäude, das hinter einer Fassade zwei Häuser unterschiedlicher Geschosshöhen vereint, wozu im Innern zahlreiche Treppenstufen notwendig wurden.

Bezogen auf das Motto des Denkmaltags konnte Laurenz Sandmann am Gebäude des – niemals ein Brauhaus gewesenen – Historischen Brauhauses Warintharpa aufzeigen, welche Konflikte Denkmalschutz erleben kann. Das dortige große Deelentor hatte es an der jetzigen Stelle ursprünglich nicht gegeben. Es war in den 1950er-Jahren eingebaut worden, weil der Besitzer dies schön fand. „Und heute würden wir niemals sagen, das muss wieder weg“, sagte Sandmann. Denkmalschutz müsse immer wieder neu gedacht werden.

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