Mit Shalabi verliert BSV besten Freund
Die letzte und schönste Feier, der Aufstieg vor 14 Tagen (v. l.) Damian Liesemann, Daniel Dick, Maurice Schwab, Rene Horstmann, Michael Lade, Patrick Schmidt, Diab Shalabi und Jonas Brockhinke.

„Was soll ich sagen“, ringt Klingen um Worte. „Er hat Recht behalten.“ Sich niemals von Rückschlägen stoppen lassen, nicht aufgeben, Berge versetzen, das habe er von seinem Freund, Sponsor, Vize-Präsidenten und Mannschaftsbetreuer gelernt.

 Den letzten Kampf konnte aber auch Diab Shalabi nicht gewinnen. Der Beckumer Unternehmer starb am Montag unerwartet im Alter von 41 Jahren. Der Schock eines zu frühen Todes, das Unfassbare, die Lücke, die Shalabi bei seiner Familie hinterlässt, all das macht sprachlos. „Wir haben da gesessen und eine Stunde nichts gesagt“, beschreibt Beckums Spieler Jonas Brockhinke den Moment des Erinnerns.

 Spontan hatte sich die Mannschaft am Montagabend nach Erhalt der bösen Nachricht mit anderen Trauergästen an der Moschee in Beckum versammelt und war anschließend zum Platz gefahren, um gemeinsam ihrem Shalabi zu gedenken. Gelebte Ökumene mit Christen und Moslems im Kummer vereint. „Da spielt Religion keine Rolle“, sagt Brockhinke. „Er war ein Freund.“

Montagabend haben sich erneut alle getroffen, zum Totengebet für einen umtriebigen Menschen, der mit seinen Visionen, seinem Ehrgeiz und seinem Optimismus eine ganze Region im Amateurfußball geprägt hat. Vereine aus Hamm, Barisspor Oelde, RW Ahlen und natürlich seine große Liebe, die Beckumer SV, sie alle profitierten von der Leidenschaft des Autohändlers (in zweiter Beckumer Generation) für den Fußball.

Am Ende hat Shalabi alles hintangestellt, um sich als zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter der BSV ganz auf den Wiederaufbau und Erfolg seines Heimatvereines zu konzentrieren. „Er hat sein ganzes Herz an Mannschaft und Verein gehängt“, sagt Klingen, der zwei Jahre mit Shalabi die sportlichen Geschicke leitete. „So was hab ich noch nie erlebt. Da ist was richtig Gutes zusammengewachsen.“

Vor zwei Wochen feierte Shalabi noch ausgelassen seinen großen Traum und die Erfüllung seiner Voraussagen – den Aufstieg in die Westfalenliga. „Wie gut, dass er das noch erleben durfte“, sagt Klingen. „Aber dass er das nicht mehr genießen kann ...“, seufzt sein Trainer, „ ... das ist so bitter.“

Klingen: „Wir trauern um den Menschen“

Beckum (uwe). Es war später Montag, als sich die Nachricht von Shalabis Tod wie ein Schwelbrand ausbreitete. Und dann standen die Telefone überall nicht mehr still. „Ich wollt’s nicht glauben. Ich bin immer noch fassungslos. Ich hab kein Auge zugetan“, sagt Beckums Vorsitzender Günther Sundermann. „Diab hat sich doch so gefreut über unseren Aufstieg ...“.

Nun lässt man sich Zeit für die Trauerarbeit. „Jeder soll das für sich bewältigen“, sagt Markus Klingen, der das Training erst einmal bis Freitag ausgesetzt hat. „Ich wäre selbst nicht in der Lage, jetzt die Mannschaft zu betreuen“, gibt er zu.

Was danach kommt, darüber kann man beim Aufsteiger aktuell nur spekulieren. Shalabis Zuwendungen für den Verein waren immens, sollten die nun wegfallen, wird es vielleicht sehr eng, die Westfalenliga zu finanzieren. „Man stelle sich eine Firma vor, der 50 Prozent Kapital ausfallen“, untertreibt Sundermann wohl eher noch.

 Aber all das liegt in der weiteren Zukunft. „Wir trauern um den Menschen, alles andere interessiert nicht“, stellt Klingen klar. Noch ist die Wunde zu frisch. Denn Shalabi war mehr als nur Geldgeber, er lebte den Beckumer Fußball. „Diab hat die Trikots waschen lassen, gebügelt und gefaltet in die Kabine gehängt.

„Es gab Obstkörbe, Essen und Getränke nach Spiel und Training“, erzählt Sundermann über den Mann, dem die BSV wichtiger war als die Gesundheit. „Er war ja öfters mal im Krankenhaus und stand anschließend sofort wieder auf dem Platz bei uns“, erinnert sich Sundermann. „Da hab ich gesagt: ‚Mensch, zieh’ dir wenigstens ’n Wämsken über. Ist doch kalt‘.“ Hat Shalabi dann auch gehorsam gemacht. Und es war immer eine warme Jacke der Beckumer SV.

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