Mit gutem Willen und etwas Resignation
Das Virus hat alles im Griff: Nochmal vier Wochen Lockdown im Amateursport zehrt an den Nerven aller Beteiligten.

 Was passiert jetzt in der Regionalliga?

Noch offen. Die Frage ist: Ist Regionalliga-Fußball Profisport oder spielen Amateure? Profis dürfen ohne Zuschauer weiterspielen, Amateure nicht. „Ein Drittel Profis, zwei Drittel Amateure“, verortet RWA-Geschäftsführer Gero Stroemer in der Liga. Manfred Schnieders, der Vizepräsident Amateurfußball im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) wird nach Gesprächen mit der Staatskanzlei und der Bekanntgabe der neuen Coronaschutzverordnung des Landes am Freitag neu entscheiden. Samstag soll allerdings noch gespielt werden. Also auch RW Ahlen in Düsseldorf.

Wie ist die Akzeptanz der neuen Maßnahmen?

Eher gutwillig, aber auch mit etwas Resignation. „Ob die Maßnahmen alle gerechtfertigt sind, weiß ja keiner, die Gesundheit geht natürlich vor. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt und soll es auch bleiben“, sagt Sünninghausens Trainer Fabio Casu, wie es die meisten sehen. Wenn man auf die Zahlen sähe, so Beckums Trainer Giovanni Taverna, „wie soll man da weitermachen?“ Und Alexander Ninkovic, Lippetals Trainer, findet den Lockdown sehr berechtigt: „Das war zu erwarten, weil wir alle uns nicht konsequent genug an die Vorgaben gehalten haben. Meiner Ansicht nach ist das die absolut richtige Maßnahme.“

Gibt es auch Kritik?

 Wenn überhaupt, dann unterschwellig, da oft reelle Informationen fehlen und die Enttäuschung groß ist. Dass Vereine in Existenznot geraten könnten, oder der Nachwuchsbereich gefährdet ist, scheint so früh noch kein Thema, denn die Auswirkungen sind in ihrem ganzen Ausmaß derzeit noch gar nicht abzuschätzen. So meint Bengt Pfeiffer, Trainer des SV Neubeckum: „Ich glaube nicht dass der Amateursport ein signifikanter Treiber der Pandemie ist. Die Amateurvereine hatten ja auch bereits viel in Schutzmaßnahmen und -konzepte investiert, um den Spielbetrieb weiter am Laufen zu halten.“ Auch Fabio Casu zweifelt: „Die Maßnahmen werden wahrscheinlich ein bisschen helfen, aber nicht so, dass man dadurch etwas Großartiges erreichen würde. Ich glaube nicht an großartige Besserungen in der Winterzeit.“

Niemand glaubt an Fußball in 2020

Was sind die logistischen Probleme?

Die sind jetzt schon kaum zu bewältigen. Vor allem im gehobenen Amateurfußball. Die aufgeblasene Regionalliga West sollte eigentlich 42 Spieltage haben. Aber es wird schon jetzt knapp mit Nachholterminen. Aktuell wurden in Regionalliga West und den Oberligen Westfalen und Niederrhein über 30 Spiele wegen Corona abgesagt. Wenn rund sechs Spiele im November ausfallen plus späterer wetterbedingter Absagen, ist es kaum denkbar, dass die Saisons zu Ende gespielt werden können.

 Wie sind die Alternativen?

 Eigentlich besteht Einvernehmen darin, dass die Saison unter den aktuellen Bedingungen nicht abgewickelt werden kann. Sollte es zu einem Abbruch kommen, greifen zwei Möglichkeiten: Vor dem Hinrundenende: Die Saison wird annulliert – nächsten Sommer wird neu gestartet. Nach dem Ende der Hinrunde: Es greift die Quotienten-Regel, um Auf- und Absteiger zu ermitteln.

Gibt es Lösungsansätze?

Viele sehen die einfache Runde als wahrscheinlichste Option. „Zehn Heim-, zehn Auswärtsspiele“, sieht Gero Stroemer, RW Ahlens Geschäftsführer bis zum Sommer. Beckums Trainer Giovanni Taverna empfiehlt für die Landesliga, die Winterpause abzuschaffen: „Willst du nach 17 Spielen abbrechen? Nein, das ist nicht fair. Sofort durchstarten, dann schaffen wir das bis in den Sommer.“ Bengt Pfeiffer vom SV Neubeckum glaubt wenigstens an eine Hinrunde: „Wenn die Hälfte der gespielten Saison gewertet werden kann, dann hätte man bis 30. Juni Zeit, zumindest diese Zahl zu erreichen falls noch weitere Pausen und Absagen im Frühjahr folgen.“

 Wird 2020 noch gespielt?

Ganz böse. Das glaubt fast niemand. Im Dezember droht nicht nur die Winterpause, sondern weitere Corona-Fälle. Eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen. „Ich gehe davon aus, dass jetzt schon Winterpause ist. Ab März müsste man dann noch 22 Spiele machen... Mal gucken, wie das gehen soll“, sagt Liesborns Elmar Kirsch voraus. Christian Franz-Pohlmann, Trainer in Freckenhorst sieht das nicht: „Schaut mal auf die Zahlen: Nein, vor Weihnachten gibt es keinen Fußball mehr!“ Und Özgün Gül von der SC Germania Stromberg sagt klipp und klar: „Ich rechne damit, dass wir vor Februar/März kein Spiel machen werden. Mitarbeit: Langen/ Maack/ Schwarz

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