Vielseitigkeitsreiter trifft es hart
Bild: Hartwig
 Der Warendorfer Spitzenreiter Andreas Ostholt – hier in der Internationalen Vielseitigkeit beim CHIO in Aachen, kann sich kaum vorstellen, dass die Olympischen Spiele im üblichen Rahmen stattfinden werden.
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Andreas Ostholt ist einer der erfolgreichsten deutschen Vielseitigkeitsreiter. Unter anderem gewann er in den Jahren 2011 und 2015 die Deutschen Meisterschaften dieser Disziplin. Für die zurückliegenden Olympischen Spiele im Jahr 2016 war er nominiert, musste aber in Rio de Janeiro auf einen Start verzichten, da die deutsche Mannschaftsführung sein Pferd „So is et“ für nicht einsatzfähig einstufte und Ostholts Startplatz an Reservereiterin Julia Krajewski vergab.

Als Hauptfeldwebel der Bundeswehr leitet Ostholt, der am vergangenen Samstag 43 Jahre alt geworden ist, den Bereich Pferdesport an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf. Gegenüber der „Glocke“ gab es seine Einschätzung zur Olympia-Situation ab.

„Die Glocke“: Für wie realistisch halten Sie es in der aktuellen Situation, dass die Olympischen Spiele zum geplanten Zeitpunkt und in vollem Umfang stattfinden?

Ostholt: Ich kann mir kaum vorstellen, dass Olympia wie geplant stattfinden wird. Wir wissen ja heute noch nicht, wie lange die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie anhalten werden und welche Auswirkungen es noch geben wird.

„Die Glocke“: Was bedeutet das für Sie und darüber hinaus für Ihre Sportart?

Ostholt: Für uns Vielseitigkeitsreiter stellt sich die Situation gleich aus mehreren Gründen deutlich problematischer dar als für unsere Freunde aus dem Dressur- oder Springlager.

„Die Glocke“: Warum?

Ostholt: Im Vielseitigkeitssport geht es auch in hohem Maße um die Kondition der Pferde. Schon um ein ausgebildetes und gut trainiertes Pferd rein konditionsmäßig auf Spitzenniveau zu fördern, benötige ich mindestens acht bis zwölf Wochen spezieller Vorbereitung. Das bedeutet im Hinblick auf Olympia, dass ich mit dem speziellen Training schon im April beginnen müsste. In der vergangenen Woche war es aber über mehrere Tage unklar, ob wir aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen überhaupt die Pferde reiten dürfen. Hier muss ich mal ein dickes Kompliment an die Deutsche Reiterliche Vereinigung sowie die Landespferdesportverbände machen. Die in dem von den Verbänden vorgestellten Positionspapier dargestellten Aspekte wurden sämtlich im Leitfaden des NRW-Landes-Umweltministeriums aufgenommen, der Ende letzter Woche herausgebracht wurde.

„Die Glocke“: Welche Unterschiede zum Dressur- und Springsport gibt es außerdem?

Ostholt: Wettkampf-Routine ist für unseren Sport ganz wichtig. Das gilt sowohl für Pferde wie Reiter. Zurzeit ist ja noch gar nicht absehbar, wann es wieder Turniere geben wird. Selbst das Internationale Pfingstturnier in Wiesbaden, das Ende Mai stattfinden sollte, wurde von den Veranstaltern schon jetzt abgesagt, weil eine spätere Absage zu noch größeren finanziellen Verlusten geführt hätte. Hinzu kommt, dass ich im Dressur- oder Springsport prinzipiell auf jeder Reitanlage üben kann. Der Vielseitigkeitssport mit seiner Kerndisziplin, dem Geländeritt, kann auf Olympia-Niveau nur an wenigen Standorten in Deutschland trainiert werden. Zudem müssen Pferd und Reiter 100-prozentig fit sein, um das Restrisiko in unserem Sport auf ein Minimum zu reduzieren. Unzureichend vorbereitete Pferde und Reiter bei Olympia will in unserer Sportart wohl niemand sehen.

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