Fast alle halten sich an die Regeln
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Ausflügler geniessen am späten Samstagnachmittag paarweise und mit Abstand das frühlingshafte Wetter auf der Halde über dem Phoenixsee in Dortmund.
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„Wochenend und Sonnenschein“ - aber offensichtlich haben die Menschen in NRW der Verlockung widerstanden und sich am Samstag zu großen Teilen an die Corona-Regeln gehalten. Bis auf vereinzelte Ausnahmen hielten sich die meisten Menschen wie etwa in Köln, Düsseldorf und Münster nach Angaben der Behörden an die Kontaktbeschränkungen. „Wir haben eine weitestgehende Einhaltung der Regeln", bestätigte Münsters Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Viele Kommunen hatten am zweiten Wochenende mit massiven Einschränkungen scharfe Kontrollen angekündigt.

Einschränkungen bleiben bis 20. April

Nordrhein-Westfalen war landesweit mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen in die Offensive gegangen: Unter der Schlagzeile „Mit der Stärke jedes Einzelnen schwächen wir das Virus" hatte das Land an die Bürger appelliert, die Regeln einzuhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel bat in einer persönlichen Botschaft aus der häuslichen Quarantäne die Menschen am Samstag um Geduld in der Corona-Krise.  Angesichts immer noch zu schnell steigender Infektionszahlen stellte die Bundesregierung klar, dass Einschränkungen vorerst bestehen bleiben - bis mindestens 20. April.

Sechs Italiener und zwei Franzosen in NRW

Ein hoffnungsvoller Samstag könnte es für insgesamt acht schwer kranke Corona-Patienten geworden sein, die aus von der Pandemie schwer getroffenen Gebieten in Italien und Frankreich zur Behandlung nach Nordrhein-Westfalen gebracht wurden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dankte den Beteiligten für die europäische Solidarität: „Danke an unsere Kliniken in Essen, Bochum, Köln und Bonn, an alle Ärzte, Pfleger und Piloten für europäische Solidarität in schwieriger Zeit", twitterte er. Wegen der Notlage norditalienischer Krankenhäuser hatte die Luftwaffe am Samstag sechs Patienten zur Behandlung nach NRW gebracht. Eine Spezialmaschine mit den schwer erkrankten Corona-Patienten aus Italien an Bord landete am frühen Nachmittag auf dem Flughafen Köln/Bonn. Zuvor waren zwei Patienten aus dem französischen Metz in die Uni-Klinik Essen geflogen worden.

Fast jeder Betrieb mit Umsatzbußen

Inzwischen trifft die Corona-Krise sämtliche Branchen der NRW-Wirtschaft mit voller Härte, wie eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) in NRW zeigt. Demnach verzeichnen 90 Prozent der Befragten aktuell Umsatzeinbußen. Jedes fünfte Unternehmen beklagt Rückgänge seiner Geschäfte von mehr als 50 Prozent. 14 Prozent sind akut von der Insolvenz bedroht. Hauptgeschäftsführer Ralf Mittelstädt bezeichnete den schnellen Start der digitalen Soforthilfe-Anträge als wichtigen Schritt für die vielen Kleinunternehmen.

130 000 Anträge für Sofortprogramm

Wie wichtig die Hilfen aus dem NRW-Sofortprogramm für Kleinunternehmer und Selbstständige sind, wurde schon in den ersten 24 Stunden deutlich: Nach Angaben des NRW-Wirtschaftsministeriums gingen seit Freitagnachmittag mehr als 130 000 Anträge ein, 4800 davon wurden in der Zeit bewilligt. 700 Menschen arbeiten an diesem Wochenende in den Bezirksregierungen, „um den Betrieben möglichst schnell die Mittel elektronisch zu bewilligen", teilte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mit. 

Kurzarbeitergeld für Lehrlinge

Industrie und Handwerk haben jetzt die Bundesregierung aufgefordert, die Regelungen zum Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise schnellstmöglich auf Lehrlinge auszuweiten. Anderenfalls sähen sich Betriebe in der Krise gezwungen, ihren Auszubildenden zu kündigen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte der „Welt am Sonntag": „Wir müssen dringend vermeiden, dass Betrieben, die von der Krise massiv betroffen sind, nichts anderes übrig bleibt, als Ausbildungsverhältnisse zu beenden".

Positive Nachricht

Die Zahl der landesweit nachgewiesenen Corona-Infektionen stieg nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums von Freitag (10 Uhr) auf Samstag (11.30 Uhr) um 1200 Fälle. Einen beachtlichen Anstieg gab es bei den Todesfällen - von 85 am Freitagmorgen auf 105 am Samstag. Die Zahl der Infizierten im Regierungsbezirk Münster ist heute Mittag auf 2148 Menschen gestiegen. Eine positive Nachricht hat die Bezirksregierung Münster für die Stadt Münster: Die Zahl der Erkrankten ist hier von Freitag auf Samstag bei 414 stehen geblieben, wieder gesund sind hier 101 Personen, verstorben zwei. Im gesamten Regierungsbezirk sind 339 Patienten wieder gesund, zehn haben die Infektion nicht überlebt.

App für Immunisierte

Die FDP im Bundestag hat vorgeschlagen, eine App zum freiwilligen Ausweisen von Menschen einzusetzen, die gegen das Coronavirus immunisiert sind. Intelligente Apps und Mobilfunkdaten könnten helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Fraktionsvize Frank Sitta dem „Handelsblatt". Wesentlich werde dabei schon bald die Erfassung von bereits immunen Personen sein. „Nachweislich immunisierte Personen könnten sich dann zum Beispiel auf ihrem Handy ausweisen, womit ihnen auch die Bewegungsfreiheit in sensibleren Gebieten gewährt werden könnte", sagte Sitta.

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