Middelhoff darf auf Vergleich hoffen
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Um Punkt 10 Uhr betritt Thomas Middelhoff durch die Sicherheitsschleuse das OLG. Schnurstracks geht er mit seinem Rechtsbeistand in die Kantine. In dunkelblauem Herbstmantel und grauschwarzem Anzug tritt er in den Zeugenstand.
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Nach der Vernehmung von Middelhoff als Zeugen schlug das Oberlandesgericht am Mittwoch zuerst einen Teilvergleich vor. Überraschend signalisierten sowohl die Anwälte des Insolvenzverwalters als auch die Vertreter der Beklagten daraufhin sogar Interesse an einem Vergleichsvorschlag, um das gesamte Verfahren zu beenden. Den will der Vorsitzende Richter Rüdiger Hütte jetzt noch in diesem Jahr vorlegen. Derzeit verbüßt der 64 Jahre alte Ex-Topmanager seine Strafe im offenen Vollzug in den von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bielefeld-Bethel.

Kläger kritisieren Boni, Abfindungen und Privatflüge

Der Insolvenzverwalter wirft dem ehemaligen Vorstand und Teilen des Aufsichtsrats Boni- und Abfindungszahlungen vor, als das Unternehmen bereits längst in Schieflage geraten war. Das Landgericht Essen hatte 2013 deshalb die Beklagten zu Zahlungen verurteilt. In der ersten Instanz wurde der ehemalige Chef von Bertelsmann in Gütersloh zur Rückzahlung von rund 3,4 Millionen Euro verurteilt.

Umstritten ist, ob der ehemalige Top-Manager private Termine mit dienstlichen verquickte. Er bestreitet das. Als Zeuge musste Middelhoff zu einer langen Liste von Flügen Stellung beziehen.

Unter anderem wegen der Abrechnung privater Flugkosten zulasten des Arcandor-Konzerns war Middelhoff im November 2014 in einem Untreue-Prozess zu drei Jahren Haft verurteilt worden, die der frühere Manager zurzeit im offenen Vollzug absitzt. Ausdrücklich wies das Gericht in Hamm daraufhin, dass es in dem Zivilstreit um andere Bewertungskriterien gehe.

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