Vier Direktmandate für die CDU in der Region
Daniel Hagemeier, Henning Rehbaum, André Kuper sowie Raphael Tigges (v. l.) sicherten sich in den Kreisen Warendorf und Gütersloh für die CDU Direktmandate.

Im Wahlkreis Warendorf II (Südkreis) holte Henning Rehbaum das Direktmandat. Der CDU-Mann sicherte sich 44,8 Prozent der Stimmen. Damit lag er deutlich vor Annette Watermann-Krass von der SPD, die ihr Direktmandat verlor. Sie zieht jedoch über die Landesliste in den Landtag ein. Ali Bas (Grüne) muss seinen Platz im Landtag räumen.

Im Wahlkreis Warendorf I (Nordkreis) sicherte sich Daniel Hagemeier den direkten Platz mit einem mehr als deutlichen Sieg.

Insgesamt wird der Kreis Warendorf mit fünf Abgeordneten im Landtag vertreten sein. Durch gute Plätze auf der Landesliste ihrer Parteien zogen Dr. Christian Blex für die AfD und Markus Diekhoff für die FDP ins Düsseldorfer Parlament ein.

In den Wahlkreisen Gütersloh II und Gütersloh III triumphierten mit Raphael Tigges und André Kuper ebenfalls zwei CDU-Kandidaten. Als einziger SPD-Politiker konnte sich Georg Fortmeier im Wahlkreis Gütersloh I ein Direktmandat sichern.

SPD verliert dramatisch

Mit einem historisch schlechten Wahlergebnis hat die SPD die Macht in NRW verloren. Ministerpräsidentin Kraft (SPD) legte unter Tränen ihre Spitzenämter nieder. "Die Verantwortung für das, was in den letzten Wochen und Monaten in Nordrhein-Westfalen geschehen ist, die trage ich - und die trage ich auch mit erhobenem Haupt", sagte Kraft am Montag in Berlin. Die von ihr geführte Landesregierung habe NRW in den vergangenen sieben Jahren vorangebracht, dies den Wählern aber nicht ausreichend vermitteln können. Erneut nahm Kraft den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz gegen Kritik in Schutz, er habe im NRW-Wahlkampf nicht genug bundespolitische Akzente gesetzt. "Ich habe Martin und die Kolleginnen und Kollegen gebeten, die Bundespolitik rauszuhalten aus dem Landtagswahlkampf."

Laschet will mit SPD, FDP und Grünen sprechen

CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet will nach seinem Wahlerfolg mit SPD, FDP und Grünen über mögliche Koalitionen reden. Vor der Wahl hatte er mehrfach betont, die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen gebe es mit der FDP. Allerdings schloss er am Sonntagabend auch eine große Koalition mit der SPD ausdrücklich nicht aus und sagte, beim Thema Inneren Sicherheit sei es "immer schwierig mit der FDP".

Gratulation an Laschet

Nur Minuten nach den ersten Hochrechnungen räumte Kraft die Niederlage ein und gratulierte Laschet. "Ich wünsche ihm eine gute Hand für unser Land", sagte sie. Die Sozialdemokraten kamen auf 31,2 Prozent der Stimmen nach 39,1 Prozent vor fünf Jahren. Für die SPD ist es in ihrem Stammland das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit der Gründung Nordrhein-Westfalens. "Ich habe mein Bestes gegeben", sagte Kraft. "Es gab einen engagierten Wahlkampf, aber es hat nicht gereicht." In den nächsten fünf Jahren will sie als normale Abgeordnete für ihren Wahlkreis in Mülheim an der Ruhr im Landtag sitzen. Die SPD will sich in Ruhe mit ihrer personellen Neuaufstellung beschäftigen. Führende Genossen rechnen nicht mit einer raschen Entscheidung über die Nachfolge von Hannelore Kraft als Parteichefin. "Ich warne vor Schnellschüssen. Das ist auch nicht die Art dieses Landesverbands. Es wird in dieser Woche sicher mehrere Sitzungen dazu geben", sagte Generalsekretär André Stinka. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gestand eine "krachende Niederlage" in seiner Heimat NRW ein.

„Ein guter Tag für NRW“

Vier Monate vor der Bundestagswahl hat die Union damit auch die dritte und wichtigste Landtagswahl des Jahres deutlich gewonnen. Sie erreichte einen der größten Zugewinne in der NRW-Geschichte und kommt auf 33 Prozent nach 26,3 Prozent bei der vergangenen Wahl. "Heute ist ein guter Tag für Nordrhein-Westfalen", sagte CDU-Spitzenkandidat Laschet. In der neuen Legislaturperiode werde er für mehr Innere Sicherheit, bessere Bildungspolitik und mehr Arbeitsplätze in NRW sorgen, versprach er.

Kopf-an-Kopf-Rennen im Kampf um das Direktmandat

CDU-Spitzenkandidat Laschet gewann sein Direktmandat nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach Auszählung aller Stimmen des Wahlkreises Aachen II entfielen auf ihn 35,8 Prozent und auf die SPD-Kandidatin Daniela Jansen 34,9 Prozent, wie die Stadt am späten Sonntagabend auf ihrer Internetseite mitteilte. Daniela Jansen geb. Bloscheck ist in Ennigerloh aufgewachsen.

FDP Gewinner des Abends

Ein großer Gewinner des Abends ist auch die FDP, die auf 12,6 Prozent kommt und damit ihr bestes NRW-Ergebnis seit 50 Jahren feiert. Die Linke blieb mit 4,9 Prozent knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. 

FDP-Chef Christian Lindner sagte, seine Partei stehe für Gespräche mit der CDU zur Verfügung. Zugleich betonte er: "Eine schwarz-gelbe Mehrheit heißt aber nicht, dass es eine schwarz-gelbe Regierung gibt." Auch Laschet wollte sich nicht festlegen. Eine große Koalition mit der SPD schloss er ausdrücklich nicht aus. In der Wirtschaftspolitik sei man zwar ganz nah an der FDP. Aber: "Bei der Inneren Sicherheit ist es immer schwierig mit der FDP", sagte Laschet. Rechnerisch sind auch Dreierbündnisse möglich, sie waren aber im Vorfeld schon von den Parteien ausgeschlossen worden.

AfD schafft Sprung ins Parlament

Die bislang in NRW mitregierenden Grünen mussten am Sonntagabend zeitweise sogar um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Sie erreichten schließlich 6,4 Prozent der Stimmen. "Da gibt es nichts zu beschönigen", sagte Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann. Einen Fraktions-Posten in der Opposition will die bisherige Schulministerin nicht übernehmen.

Die AfD hat den Sprung in den Landtag mit 7,4 Prozent sicher geschafft. "Wir werden ehrliche klare Opposition machen, den Finger in die Wunde legen, so wie die das noch gar nicht kennen", kündigte Spitzenkandidat Marcus Pretzell an. Die Piraten blieben mit 1,0 Prozent wie erwartet weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.

In einem Fünf-Parteien-Parlament ohne die Linke ergibt sich folgende Sitzverteilung mit Überhang- und Ausgleichsmandaten: Die CDU holt im neuen Landtag 76 Sitze, die SPD 69. Die Liberalen erringen 28 Mandate, die Grünen 14, die AfD 16. Die absolute Mehrheit liegt bei 91 Sitzen. Die Wahlbeteiligung stieg auf 65,2 Prozent (2012: 59,6 Prozent).

Rückenwind für Merkel

Für Kanzlerin Angela Merkel bedeutet der Wahlsieg der CDU starken Rückenwind. CSU-Chef Horst Seehofer erklärte, die "Schulz-Festspiele" seien vorbei. Er mahnte die Union, trotzdem auf dem Teppich zu bleiben.

Die NRW-Wahl galt als wichtigster Stimmungstest vor der Bundestagswahl im September, da jeder fünfte Wähler bundesweit in dem Land zu Hause ist. Noch vor wenigen Wochen hatte die SPD in Umfragen deutlich vorn gelegen. Die Wahl hatte die Menschen in NRW deutlich stärker mobilisiert als in den vergangenen Jahren. Rund 65 Prozent der Bürger gaben ihre Stimme ab, vor fünf Jahren waren es nur 59,6 Prozent. Insgesamt waren 13,1 Millionen Bürger des Landes zur Wahl aufgerufen.

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